Rezension zu „All dies ist nie geschehen“ von Olivier Norek
Dieses Buch ist ein Tipp. „All dies ist nie geschehen“ ist ein differenzierter Blick auf den Dschungel von Calais, auf seine Bewohner und ihre Unterschiede, auf die exekutive Gewalt und ihre Probleme und Sichtweisen, auf Flüchtlings- und Hilfsorganisationen und ihr Handeln, auf die Wirtschaft der EU und ihre Bedeutung für die EU und die Auswirkungen auf die Flüchtlinge, auf die französischen Bewohner von Calais und ihre Sichtweisen zu dem Dschungel und ebenso auf den französischen Staat und seinen Umgang mit dem Thema Flüchtlinge und hier speziell mit dem Dschungel von Calais. Wobei diese differenzierte Betrachtung des Themas durchaus auch auf andere Staaten der EU und ihre Flüchtlingsproblematik angewendet werden könnte. „All dies ist nie geschehen“ ist auch ein Blick auf die Flüchtlinge und etwaige Fluchtursachen, etwas, was auch genauer und differenziert betrachtet werden sollte. Denn was treibt Menschen wohl auf einen Weg, der ihren Tod bedeuten kann? Ich kann mir nicht helfen, aber wirtschaftliche Gründe sehe ich hier nicht als vordergründig, auch wenn es viele Menschen in europäischen Landen gibt, die genau das tun. Leider! „All dies ist nie geschehen“ ist allerdings ebenso ein Blick auf den Menschen, auf seine positiven, wie auch negativen Seiten und auch durch diesen Blick ist dieses Buch so einschlagend für mich. „All dies ist nie geschehen“ ist insgesamt eine wirklich interessante, spannende und wendungsreiche Geschichte, sehr differenziert und ebenso sehr ergreifend/dunkel/düster/bedrückend. Gut gemacht, Olivier Norek!!! Man merkt ihm seine Erfahrungen an, hat er doch für Pharmaciens sans frontiéres und als Police Lieutenant in Seine-Saint-Denis gearbeitet. Gerade diese beiden Informationen machen dieses Buch noch interessanter! Sprechen sie doch für ein Wissen Noreks, quasi aus erster Hand und das verleiht dem Buch noch mehr Wichtigkeit. Olivier Norek hat ein interessantes, wie auch ein sehr aufwühlendes Buch geschrieben!
Wer sind die Protagonisten? Einmal die syrische Familie Sarkis, Adam Sarkis, der Vater, arbeitet gegen Assad im Untergrund. Die Situation wird für ihn brenzlich und deswegen schickt er seine Frau Nora und seine Tochter Maya auf den Weg zum Dschungel von Calais. Adam kommt dann etwas später nach und will sich in Calais wieder mit seiner Familie vereinigen. Und dann die französischen Millers, Bastien Miller, ein Kommissar, lässt sich aus Sorge um seine Frau Manon nach Calais versetzen, mit dabei ist noch ihre Tochter Jade. Adam, der seine Familie in Calais nicht gleich findet, kümmert sich erst einmal um ein sudanesisches Kind und dies ist etwas, was die Millers bald auch tun und diese, ihre Menschlichkeit trägt Früchte.
⭐⭐⭐⭐
Rezension: © Booquinia
Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © Blessing
Gegenwartsliteratur, Krimi
2019 bei Blessing erschienen
978-3-89667-634-4
368 Seiten
