Rezension zu „Nulluhrzug“ von Juri Buida

Hier gab es einen kafkaesken Blick auf eine Diktatur, im engeren Sinne auf die sowjetische Diktatur. Dabei wird diese Diktatur recht patriarchal gezeichnet. Das ist etwas, was sich auch mit meinem Empfinden der sozialistischen Diktaturen deckt und was ich im Buch, wie auch in der Realität furchtbar fand. Obwohl im Sozialismus die Rolle der Frau immer hochgehalten und als gleichberechtigt deklariert wurde, war sie das in meinen Augen bei weitem nicht. Im Politbüro der DDR mangelte es ja durchaus an weiblichen Führungsmitgliedern. In der befreundeten Sowjetunion wird es nicht anders ausgesehen haben. Diese sogenannte Gleichberechtigung der Frau rührte in der DDR nur durch den Mangel an Arbeitskräften her, ermöglichte aber auch so manchen eigenwilligen Berufswunsch. Dennoch wurde durch den Mangel erst eine Gleichberechtigung als voll arbeitendes Mitglied einer Gesellschaft ermöglicht. In der Sowjetunion wird das etwas anders gewesen sein, Menschen gab es in diesem Riesenreich ja genug. Im Buch wird auf die sowjetische Diktatur geblickt und auf ihr Funktionieren, tja, und ohne die vielen kleinen Rädchen funktioniert so etwas auch nicht und das wird beim Lesen klarer. Denn die vielen „Untertanen“, die auch durch Angst am Funktionieren gehalten wurden, haben ein Bestehen dieser Diktaturen erst ermöglicht. Die erzählte Geschichte wirkt kafkaesk und anfänglich etwas wirr, nach und nach verknüpfen sich aber die Fäden und der Lesefluss und auch der Lesesog wird stärker. Anfangs habe ich erst an eine Drei-Sterne-Bewertung gedacht, da mich die Geschichte aber mehr und mehr in ihren Bann gezogen hat, wurden es doch 4 Sterne. Etwas, womit der nicht so kundige Leser auch zu kämpfen haben wird, ist die russische Namensgebung, ihre Kurzformen und Verniedlichungsformen. So gibt es viele Bezeichnungen für ein und denselben Charakter. Etwas verwirrend. Aber auch hier kann man nur dazu lernen. Und das tut man auch. Auf eine erfrischende Weise. Die aber dennoch nicht jedem gefallen wird und nicht jedem gefallen muss. 


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