Rezension zu „Kaßbergen“ von Patricia Holland Moritz

Patricia Holland Moritz schreibt hier ein Buch über Ulrike und ihre Familie und erzählt über diese Familiengeschichte auch die Geschichte einer Stadt, ihrer Stadt. Denn die Autorin ist in Karl-Marx-Stadt geboren. Man merkt dem Text die Liebe zu dieser Stadt und eine tiefe Verbundenheit mit Chemnitz an. Was schön ist. Dabei ist das Geschriebene leider ein etwas zerrissener und artikelartiger Blick auf die Geschichte von Karl-Marx-Stadt oder Chemnitz und auf die Familie von Ulrike. Denn die Kapitel wirken etwas abgehackt und das Geschriebene wirkt leider nicht flüssig und zusammenhängend. Was den Lesegenuss etwas stört oder zerreißt. Dennoch ist „Kaßbergen“ ein sehr informatives Buch, zeigt es doch wichtige geschichtliche Ereignisse von Chemnitz und dem Erzgebirge und ermöglicht damit ein Verständnis. Ebenso zeigt dieses Buch Einblicke in das Leben in der DDR, Einblicke in das Leben der normalen DDR-Bevölkerung, ohne dabei gleich hochpolitisch zu sein/sein zu müssen. Manches ist vielleicht auch nur für ehemalige DDR-Bewohner verständlich. Dennoch empfinde ich das Buch als recht nützlich und lehrreich. Auch für Nicht-DDR-Bürger! Denn hier erfährt man etwas, wenn man denn etwas erfahren will. Ebenso ist „Kaßbergen“ aber auch eine Coming of age Story, ein Erwachen in der Wirklichkeit, Ulrikes Erwachen. Denn Ulrikes Leben verläuft nicht vollkommen glücklich, die Familiengeschichte wird durch das Miteinander/oder Nichtmiteinander der Eltern zerrissen, denn Ulrikes Eltern lassen sich scheiden, was aber Ulrike zunächst nicht wirklich zu stören scheint. Dennoch bietet das Buch gerade in den Frauengestalten interessante Charaktere, wenn ich da an den Minister und die Mutter denke, die leider in der artikelhaften Schreibe etwas zu kurz kommen. Dies ist sicher auch aus der Perspektive der Erzählstimme Ulrike so an skizziert, differenzierter würde dies erst eine Erwachsene betrachten können. Erst später bricht Ulrike aus dem vorgesehenen Gefüge aus und wendet sich Gonzo zu, einem Punker. Und mit diesem Zuwenden landet Ulrike in der Realität! Denn die „Punker“ waren in der DDR nicht angesehen, wie alles, was gegen festgesetzte Normen verstieß. Aber ist dies denn später anders gewesen? Festgesetzte Normen haben im deutschen Befinden einen festen und sicheren Platz, egal ob man sich im Osten oder im Westen befand/befindet. 


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