Rezension zu „Abwesend“ von Gregor Sander

Gregor Sander habe ich bei WhatchaReadin in der Leserunde zu „Alles richtig gemacht“ kennengelernt. Und dieses Kennenlernen hat wohl weitere Buchkäufe initiiert. Und jetzt war wohl die Zeit für ein weiteres Buch von Gregor Sander und seine lockere und leichte Art der Schreibe. Obwohl das Thema des Buches „abwesend“ nicht ganz so leicht daherkommt wie die Thematik in „Alles richtig gemacht“.

Christoph Radtke, Anfang 30, wieder alleinstehend, in Berlin wohnend, gerade arbeitslos geworden, etwas rat- und tatenlos ins Leben blickend, soll für 14 Tage das Elternhaus in Schwerin hüten, denn die Mutter fährt für zwei Wochen in den wohlverdienten Urlaub. Ein Pool und eine schöne junge Frau, die bulgarische Pflegerin des Vaters, der nach einem Schlaganfall im Wachkoma liegt, sollen dem Herrn Sohn den Aufenthalt ertragbar gestalten. Doch mit der Rückkehr ins elterliche Domizil kommen auch die Erinnerungen. Und der Blick des Autors ruht auf der Vater-Sohn-Beziehung. Eine Beziehung, die sich durch eine gewisse Entfernung voneinander und in nicht gesagten Worten darstellt. Hier wird ein Blick auf die Männer geworfen, auf den Sohn und auf den Vater. Ein Blick im Jetzt und ein Blick in der Vergangenheit. Die Zusammenhänge werden dargestellt und ein Generationenkonflikt kristallisiert sich heraus. Ein privilegierter Vater, Professor für Bauingenieurwesen, der der Familie ein Eigenheim in bester Lage in Schwerin bereitet, bereiten kann, der nicht vollkommen, aber schon etwas vom herrschenden System überzeugt ist und ein Sohn, der gegen das System protestiert. Selbst eine Reise in die Schweiz wurde dem Vater damals genehmigt. Und genau von da flattert gerade jetzt ein Brief ins Haus, an den Vater adressiert. Mangels einer Möglichkeit des Vaters liest diesen Brief der Sohn. Und fällt aus allen Wolken. Ruft den Freund aus Berlin zur Hilfe und fährt nach einer Rücksprache mit diesem Freund in die Schweiz zur Klärung des Sachverhalts.

Gregor Sander erzählt von der Gegenwart und der Vergangenheit, erzählt von zwei Gesellschaftssystemen, erzählt von Unterschieden, erzählt über Familien, erzählt ihre Geschichten, erzählt nie sentimental und dennoch voller Gefühl. Geschichtlich wie auch menschlich sind Gregor Sanders Romane ein interessantes Gemisch. Und für Menschen, die die DDR begreifen möchten, sind diese Bücher anschaulich und informativ gemacht. Dabei erdrücken die Informationen nicht, oder erschlagen die Leser mit einer tränenreichen und sentimentalen Theatralik. Denn genau das wünsche ich mir nicht. Die DDR war für mich eine schöne Kindheit und heute habe ich schöne Erinnerungen an diese Zeit. Die Politik hat beim Otto-Normalbürger meist nicht die Rolle gespielt, die ihr heute in den vielen DDR-Romanen und -Filmen zugeteilt wird. Dennoch war sie aber präsent!


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