Rezension zu „Die Schönheit der Rosalind Bone“ von Alex McCarthy
Dieses Buch hier kam genau zur richtigen Zeit zu mir. Ich habe dringend eine richtig gute Geschichte gebraucht. Und zack, da tauchte „Die Schönheit der Rosalind Bone“ auf meinem Reader auf und ich dachte, klingt gut. Tja und dieses Buch klingt nicht nur vom Plot her gut, nein, dieses Buch ist im Gesamtpaket einfach der Hammer. Nun ist dieses Buch nicht vollkommen so der Burner durch seinen Überraschungseffekt, nein, einiges vom Tun ist der Leserschaft schon früh klar, anderes wieder kommt so nach und nach zum Vorschein. So dass immer ein Spannungsfeld da ist. Dieses Buch ist der Hammer, weil es so menschelt.
Alex McCarthy lässt die Leserschaft auf eine Reise nach Wales gehen, in das verschlafene Nest Cwmddu / Cwmcysgod. Herrlich diese walisisch/keltischen Namen. Das sind garantiert wunderschön klingende Sprachen, dazu fand ich die Ausspracheerklärungen im Buch übrigens sehr gut, sehr erhellend und absolut interessant. Wahrscheinlich aber auch schwer zu lernende Sprachen.
Nun gut, zurück zum Buch, zur Handlung. Alex McCarthy blickt in ihrem Buch in die enge und erdrückende Welt eines Dorfes. Sie blickt auf die Beurteilungen der Menschen, auf das Denken, was diese Menschen übereinander haben. Sie blickt auf die Größe und die zerstörerische Kraft, die in so einer Beurteilung/Verurteilung liegt. Sie blickt auf die Folgen. Und sie blickt auf dieses Heiliggetue. Man selbst ist unschuldig und gut, während die Anderen oder manche Anderen direkt der Hölle entsprungen sind. Dabei gibt es dieses strikte Schwarz-Weiß-Denken ja nicht und jeder Mensch hat beide Anteile in sich. Was dieses Buch ebenso zeigt. Gerade in diesen Bewertungen und Verurteilungen zeigt man ja das eigene negative Denken. Aber nicht in der Welt der Oberheiligen. Klarer Fall. Ebenso zeigt dieses Buch, dass es selbst in einer Welt, wo vermeintlich jeder jeden in- und auswendig kennt, viele unkenntliche Stellen in den Seelen der Anderen gibt. Was gleichzeitig dieses Denken über diese enge Welt in Frage stellt, denn manches will der Mensch sehen und manches eben nicht. Denn dieses Böse macht ja nicht der nette Nachbar, dieses Böse zelebrieren die Anderen, die Unbekannten, die Fremden, die Ungeliebten, die Unverstandenen. Und wenn man dann meint, dass es dieses Gefüge nur in diesen engen Dörfern gibt, nun denn, Augen auf ihr Lieben. Dieses Denken ist ungemein menschlich und dieses Denken gibt es auch in der größten Stadt. Jeder Kriminalkommissar wird dies bestätigen. Denn diese enge Welt gibt es in jeder menschlichen Gruppierung, ob dies nun die Freundesgruppen oder die Nachbarschaft oder das Kollegium ist.
Alex McCarthy lässt in „Die Schönheit der Rosalind Bone“ auf diese menschlichen Empfindungen, auf diese menschlichen Eigenschaften blicken und begeistert mich damit ungemein. Und damit ist dem Goya-Verlag ein erneuter großer Wurf gelungen, das Augenmerk der Leserschaft sollte meiner Meinung nach mal mehr auf diesen kleinen Verlag gerichtet sein. Ich habe in letzter Zeit so einiges von Goya gelesen, was mich begeistert hat, wenn ich da an „Der große Nordwesten“, Das Summen“ oder „Nach einem Traum“ denke. Auch „Die Schönheit der Rosalind Bone“ reiht sich hier hervorragend mit ein und ich kann alle diese Bücher nur wärmstens empfehlen.
⭐⭐⭐⭐⭐
Rezension: © Booquinia
Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © Goya Verlag
Gegenwartsliteratur
2024 bei Goya erschienen
Mein Dank geht an NetGalleyDeutschland und an den Goya-Verlag für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!
978-3-8337-4640-6
192 Seiten
