Rezension zu „Chrysalis“ von Anna Metcalfe

„Chrysalis“ ist ein richtig interessantes Buch. Denn es könnte zu einem Nachdenken anregen, wenn man denn will. Eine Frau sucht nach einer traumatischen Erfahrung nach einer Veränderung. Sie geht einen neuen Weg. Sie will stärker werden, will unabhängiger werden, sie will sich stärken und schützen. Dies macht sie recht rigoros. Und schürt damit nicht unbedingt nur empathische Gefühle in der Leserschaft. Doch warum ist das so? Würden wir genauso reagieren, wenn der Hauptcharakter ein Mann wäre? Denn so etwas direkt zu Verurteilendes macht der Hauptcharakter in „Chrysalis“ nicht. Sie geht nicht allzu nett mit ihrer Umwelt um. Auch mit ihrer Mutter nicht. Was für mich das Schlimmste war. 

Durch die Aktion des weiblichen Hauptcharakters wird indirekt/direkt ein Blick auf weibliche Rollenmodelle geworfen und die Leserschaft reagiert darauf. Doch warum ist das so? Wäre der Hauptcharakter in diesem Buch ein Mann, würde die Leserschaft garantiert anders reagieren. Dort wäre so eine Aktion legitimer. 

Doch hier ist es eine Frau und sofort urteilen wir anders. Ich würde mich durchaus eine feministisch geprägte Frau nennen, aber auch bei mir stößt dieses Handeln der Frau in Chrysalis an gewisse Grenzen. Nicht völlig und stringent. Denn ich kann diesen Wunsch der Frau verstehen, ich agiere im Leben ähnlich. Ich brauche meine Freiräume und ich verteidige sie auch, ich genieße und brauche meine Autarkie, ich kann mir etwas anderes nicht mehr vorstellen. Kompromisse einzugehen ist notwendig und auch schön, aber in gewissen Momenten gibt es keine Kompromisse mehr, da geht es nur noch nach meinem Gusto und das ist gut so. 

Aber das Handeln des Hauptcharakters mit der eigenen Mutter wirft in mir Fragen und auch Abscheu auf. Ich bin garantiert nicht heilig und mache Fehler, auch im Umgang mit meiner Mutter, betrachte mein Tun dann kritisch und versuche mich zu entschuldigen, was mir nicht leichtfällt. Vor allem aber, ich versuche mich zu verändern, versuche mich zu bessern. Denn Mama ist nun mal Mama! 

Von daher falle auch ich in diese Erwartungen an weibliches Handeln und reagiere dementsprechend. Doch dieses Buch versucht genau diese altbekannten Betrachtungen weiblichen Tuns zu hinterfragen. Nachdenklich zu machen. Die Möglichkeit zur Chrysalis, ein Insekt im Zustand der Verpuppung, ein Übergang zu etwas Anderem, näher zu betrachten. Denn Verletzungen haben wir doch alle, was also tun zur Verbesserung der eigenen Situation. Ähnlich reagieren. Sich vollkommen rausnehmen. Kann nicht jeder, können die wenigsten. Was auch gut so ist. Denn wenn dies alle tun, gerät unsere Gesellschaft ins Wanken. Was in dem Buch in der Menge der Nachahmer kurz betrachtet wird und auch in einer gewissen Angst vor dem Tun dieser Menschen. Aber man muss dies ja auch nicht so vollkommen durchziehen, ein Überdenken des eigenen Tuns reicht hier völlig und eine Bereitschaft zur Veränderung in den eigens für sich gesetzten Rahmen. So dass es guttut und man gestärkt aus dieser Aktion rausgeht.

Was auch etwas Gutes hätte, am Ende würde die Erde sich freuen! Sie wäre ihren größten Aggressor endlich los!

Denn die Frage, die in diesem Buch zu kurz kommt, ist folgende, warum ist man denn gezwungen sich rauszunehmen und kann man nicht an den triggernden Faktoren etwas verändern, kann nicht unsere patriarchale Welt endlich verschwinden und die ewige Ungleichheit gleich mit?!?!

„Chrysalis“ von Anna Metcalfe ist ein sehr gutes Buch, dem nur die kühl verfasste Art, den letzten Stern nimmt. Denn dieses Kühle dringt nicht so sehr zu mir durch. Die Thematik ist aber wunderbar gewählt. Das Buch hat Spannung und ich kann es allen nur wärmstens ans Herz legen. Auch wenn ich denke, dass dieses Buch polarisiert. Lest es selbst und schaut was Anna Metcalfe hier mit euch macht. 


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