Der Deutsche Buchpreis. Die Longlist 2025. Hier sind sie nun. Die Aufregung ist vorbei. Jetzt stehen sie hier und locken mich. Es ist wieder bunt gemischt. Die Longlist. Aber auch in mir. Wieder hab ich noch kein Buch davon gelesen. Hüstel. 2,3 sind aber in der To-Do-Liste. Von 1,2en hatte ich schon gehört, jetzt wandern sie auf meiner Haben wollen/Lesen wollen Liste höher. 2,3 lassen mein Herz höher schlagen. Sie klingen sehr interessant. 2,3 sind durch ihre Autoren nicht überraschend, andere Autoren fehlen wieder, andere sind völlig überraschend für mich. Ein wie immer interessanter Mix. Meine Neugier auf einige Bücher wächst. Die, die schon hier sind, rutschen in ihrer Wichtigkeit höher, wandern bald vor meine Augen. Andere müssen wohl bald zu mir und vor meine Augen. Wie immer ist die Zeit um die Longlistverkündung bis zum Nennen des Buchpreisgewinners eine sehr schöne Zeit. Spannend. Flirrend. Hypnotisch. In den Bann ziehend. Und ich liebe diese Zeit im Jahr.
Also. Los gehts. Longlist lesen.
Und für den besseren Überblick gibt es hier eine Auflistung der Bücher, eine Auflistung einer Kurzbeschreibung der Klappentexte.:
Christine Wunnicke „Wachs“ (Berenberg)
–Eine Liebesgeschichte im Frankreich des 18. Jahrhunderts, zu den Zeiten der Französischen Revolution. Zwei Frauen lieben sich, zwei sehr unterschiedliche Frauen: Marie Biheron, Leichen sezierend, um dann deren Innenleben aus Wachs zu formen; und Madeleine Basseporte, Blumen zeichnend.
Annett Gröschner „Schwebende Lasten“ (C.H. Beck)
–Das Leben der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause wird hier erzählt. Und Annett Gröschners Roman erzählt auch die Geschichte eines Jahrhunderts in einem einzigen Leben, 100 Jahre deutsche Geschichte, 100 Jahre ostdeutsche Geschichte.
Lina Schwenk „Blinde Geister“ (C.H. Beck)
–„Blinde Geister“ ist eine berührende Familiengeschichte von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. Die Angst vor einem Krieg beherrscht die Erwachsenen und sie prägen damit auch die Kinder. Dann kommt der Februar 2022, und diese Ängste werden realer.
Fiona Sironic „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ (Ecco)
–Zwei Mädchen. Era und Maja. Coming of age. Liebe. Rebellion, Und auch Gesellschaftskritik, eine Kritik am Umgang mit der Natur, aber ebenso eine Kritik an unseren Werten.
Dorothee Elmiger „Die Holländerinnen“ (Hanser)
–Eine Schriftstellerin wird von einem Theatermacher angerufen. Sie soll mit machen bei einem neuen Stück von ihm, bei einer Rekonstruktion eines Falles, in den Tropen spielend. Und so macht sich die Schriftstellerin in den Dschungel auf. Eine beunruhigende Geschichte beginnt.
Michael Köhlmeier „Die Verdorbenen“ (Hanser)
–Anfang der Siebziger Jahre, Johann kommt in die Stadt, möchte studieren. Er trifft auf Christiane und Tommi, ein Paar. Im Dreiergespann erkunden sie die hellen und die dunklen Seiten der Liebe. Eine Geschichte von Schuld und Unschuld.
Jonas Lüscher „Verzauberte Vorbestimmung“ (Hanser)
–Es geht um die Menschen des Kapitalismus, und um unsere Maschinen. Es geht um das Jetzt und um ein mögliches Vielleicht. Klug und irrsinnig, komisch und scharf blickt Jonas Lüscher auf ein Jetzt und auf das Kommende.
Dmitrij Kapitelman „Russische Spezialitäten“ (Hanser Berlin)
–Eine Familie aus Kiew verkauft russische Spezialitäten in Leipzig. Wodka, Pelmeni – und ein irgendwie osteuropäisches Gemeinschaftsgefühl. Dann kam der Krieg. Die Mutter steht an der Seite Putins. Und ihr Sohn fährt in die Ukraine. Er möchte seine geliebte Mama vom Faschismus und den irren russischen Fernsehlügen heilen, sieht keinen anderen Weg.
Thomas Melle „Haus zur Sonne“ (Kiepenheuer & Witsch)
–Herzlich Willkommen im „Haus zur Sonne“, was eine Wunscherfüllungsmaschine und auch ein Abschaffungsapparat ist. Lebensmüde und todkranke Menschen liefern sich in diese vom Staat finanzierte Klinik ein, erst kommt die Wunscherfüllung und dann der Abgang aus dem Leben. Eine Fiktion um die Todestriebe, ein radikaler Blick auf psychiatrische Erkrankungen, eine radikale Zeichnung des Menschseins, ein Blick auf die Selbstbestimmung und die psychiatrische Erkrankung, ein Gemenge aus Fiktion und Autobiographie aus den Augen von Thomas Melle.
Feridun Zaimoglu „Sohn ohne Vater“ (Kiepenheuer & Witsch)
– Ein fünftausend Kilometer langer Roadtrip quer durch Europa, von Kiel ins türkische Edremit und zurück, ein Sohn mit Flugangst fährt mit zwei Freunden in sein Geburtsland, fährt zur Mutter, ans Grab des gerade gestorbenen Vaters. Mit von der Partie sind die Erinnerungen an den Vater.
Nava Ebrahimi „Und Federn überall“ (Luchterhand)
–Sechs Menschen in der Kleinstadt Lasseren im Emsland, in der norddeutschen Provinz. Sechs Menschen, sechs Leben, und ein Vielleicht. Ein Tag, der alles verändert. „Und Federn überall“ ist ein mitreißenden Gesellschaftsroman über das Menschlich bleiben, in einer härter und bösartiger werdenden Welt?
Kaleb Erdmann „Die Ausweichschule“ (park x ullstein)
–Das Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002. Schüsse am Tag der Abschlussprüfungen. Die Erzählstimme erlebt diesen Tag als Elfjähriger, wird evakuiert und registriert auch die Hilflosigkeit der Erwachsenen, was mit seinem Sicherheitsgefühl etwas verändert. Zwanzig Jahre später bricht das Ereignis völlig unerwartet erneut in sein Leben ein, resultierend in einem Romanprojekt. Warum schreibt man darüber, warum interessieren diese dunklen Dinge auch die Allgemeinheit so sehr?
Peter Wawerzinek „Rom sehen und nicht sterben“ (Penguin)
–Ein Frühling in Rom, Peter Wawerzinek durchstreift und genießt die Stadt, sammelt Inspirationen für einen neuen Roman. Etwas scheint aber nicht zu stimmen: kalte, weiße Fingerkuppen in der wärmenden Sonne. Ein Gang zum Berliner Hausarzt bringt die Diagnose Krebs. Doch auch die Konfrontation mit dem Tod lässt den Autor nicht aufgeben. Es zieht ihn wieder nach Rom, zur Intensität der ewigen Stadt. Peter Wawerzinek schreibt über die menschliche Vergänglichkeit, aber genauso schreibt er auch über das Leben und seine Kraft.
Gesa Olkusz „Die Sprache meines Bruders“ (Residenz)
–Parker und Kasimir sind als Jungen mit ihrer Mutter aus Polen in die USA ausgewandert. Später sind aus den Brüdern sind zwei symbiotisch verbundene Einzelgänger geworden. Parker fährt als Privatchauffeur durch die Nacht, Kasimir verlässt das Haus nie. In diese Zweisamkeit schneit die Vagabundin Luzia, sprengt damit jedoch die nahezu wortlose Nähe der Brüder. Die junge Frau haut dann wieder nach Panama ab, Kasimir muss ihr hinterher.
Jacinta Nandi „Single Mom Supper Club“ (Rowohlt Hundert Augen)
–Drei Engländerinnen, eine Deutsche, viermal alleinerziehend: Kayla, Tamara, Antje und Lina sind befreundete Mütter, die einander ebenso scharfzüngig kritisieren wie bedingungslos unterstützen. Als ihr monatlicher Supper Club durch die Momfluencerinnen-Cocaine-Moms-Clique infiltriert wird, führt der Generationenclash zu Chaos.
Jina Khayyer „Im Herzen der Katze“ (Suhrkamp)
–In Südfrankreich sitzt Jina an ihrem Schreibtisch. Sie ist im Netz und blickt auf die Proteste im Iran, unter den Protestierenden sind auch Teile ihrer Familie. Dieses Jetzt ermöglicht schnell Blicke in die Vergangenheit. Ebenso wie auch die Erinnerungen an die Besuche im Iran kommen und an eine geheime Liebe. Aber auch an die Proteste während der Grünen Bewegung 2009, an denen Jina teilnahm.
Lena Schätte „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ (S. Fischer)
–Ein Blick auf eine Familie, ein Blick auf den Alkohol. Vater und Tochter kennen den Alkohol. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden – vom Vater und vom Alkohol.
Kathrin Bach „Lebensversicherung“ (Voland & Quist)
–Westdeutsche Provinz in den neunziger Jahren: Ein Dorf mit Fertighäusern auf der einen Seite, und traditionellen Höfe auf der anderen Seite des Dorfes. Ein Sportplatz, eine Gastwirtschaft, ein Bäcker, eine Buswendeschleife. Und: ein Versicherungsbüro. Die Ich-Erzählerin in Kathrin Bachs Prosadebüt wird in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren. Kathrin Bachs „Lebensversicherung“ ist eine tragikomische Familiengeschichte. Sie erzählt von der so deutschen Sehnsucht nach Sicherheit. Von einem Milieu, in dem Zeit Geld ist und Freiheit sich auf zwei Wochen Urlaub im Jahr beschränkt.
Jehona Kicaj „ë“ (Wallstein)
–Der ungewöhnliche Titel »ë« steht für einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Aufwachsen in Deutschland, ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme, ist Kind von Geflüchteten aus Albanien, sucht nach Verständnis, aber stößt immer wieder auf Zuschreibungen, Ahnungslosigkeit und Ignoranz. Familiengeschichte und Blicke auf den Kosovokrieg Ende der 90er-Jahre.
Marko Dinić „Buch der Gesichter“ (Zsolnay)
–Belgrad 1942: Der Tag, an dem das okkupierte Serbien für »judenfrei« erklärt wird, ist der Tag, an dem Isak Ras seinen vielleicht letzten Streifzug durch die Stadt wagt. Er ist auf der Suche nach den Überresten seiner verschütteten Vergangenheit: Was ist vor 21 Jahren geschehen, als Isaks Mutter spurlos verschwand? Dieses Buch ist eine Geschichte Serbiens und Europas im zwanzigsten Jahrhundert. Erinnerungsliteratur in moderner Form.
Vielleicht kommt man hier schneller zu einer Entscheidung. Viel Spaß beim Longlist lesen!
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