Rezension zu „Alles, was ich über Liebe weiß, steht in diesem Buch“ von Elke Schmitter

Alles, was man über Liebe weiß. Das klingt vielversprechend. Denn da kommt wohl so einiges zusammen. Und ja, Elke Schmitters Buch verspricht viel und für mich hat dieses Buch das gegebene Versprechen auch eingelöst. Empathisch und emotional eingelöst.

Beschrieben ist dieses Buch mit dem Wort EINBILDUNGSROMAN. Was Leser doch irgendwie aufblicken lässt. Denn in genau dieser Beschreibung/dieser Schreibweise steckt ja wohl ein Grund, eine Absicht.

Bei der Lektüre entfaltet sich diese Schreibweise, denn das Buch ist in zwei gehaltvolle Teile gegliedert. 

Der erste Teil ist dann wohl dieser Bildungsroman, denn in diesem Teil erzählt Elke Schmitter, übrigens mit vielen Fußnoten versehen, vielschichtig und vielstimmig über diese so tiefgreifende Emotion, die uns ereilen kann und definitiv ereilen sollte. Die Liebe. Was passiert mit den Liebenden, was passiert mit dem Menschen, was passiert in ihm/ihr? Was macht dieses Gefühl? Was kann es auslösen? Was passiert mit uns, im Gefühl und auch danach? Psychologische Sichten zum Thema, soziologische Blicke und auch philosophische Sichten erweitern diese Blicke auf das Konstrukt Liebe. Blicke auf die Romantik. Blicke auf die Liebe in Literatur und Kunst. Auch dies wird hier erörtert. In Blicken auf Tagebücher wird auch die Liebe in vergangenen Zeiten in Augenschein genommen. Und mit diesem Hochgefühl auch das durchaus passende Pendant, das Liebesleid. Denn diese Irrungen und Wirrungen erzeugen ja nicht nur Glückseligkeit. Braucht man dann diese romantische Liebe? Meiner Meinung nach Ja. Denn ohne dieses Gefühl würde wohl im Leben etwas fehlen. Etwas Essentielles. Dennoch ist das Konstrukt der Liebe durchaus hinterfragbar. Und diese Fragen werden hier auch gestellt. Indirekt und direkt. Zu welchem Schluss hier jeder kommt. Nun denn. Findet es heraus.

Der zweite Teil des Buches befasst sich mit der Beschreibung Einbildungsroman. Es geht um das Miteinander von Helena und Levin. Es geht um das rosarote Gefühl und es geht um das Erwachen aus diesem wattigen Gefühl, es geht um den Fall aus den Wolken. Es geht um den Kampf dagegen, die Versuche des Schönredens, des Nichtloslassenwollens. 

Nun könnte man hier durchaus in die Versuchung geraten eine Bewertung einzuflechten. Sich mit dieser Bewertung auch schützen. Schützen wollen. Doch warum machen manche Menschen so etwas? Sich davon abgrenzen wollen. Denn kann man sich davon abgrenzen? Warum wird dies so negativ aufgenommen? Kommt dies von der eigenen schon durchlebten Erfahrung? Oder von der selbst empfundenen Abscheu vor den negativen Geschehnissen? Oder von der Bewertung der Betroffenen als Verlierer? Denn gibt es Menschen, die vor so einer Einbildungskraft gefeit sind? Oder hängt dies nicht auch mit dem bisher Erlebten zusammen, dass man manchmal nicht wahrhaben möchte, nicht wahrhaben kann? Und das bisher Erlebte, ist das immer steuerbar? Meiner Meinung nach mitnichten. Aber auch hier. Findet heraus, wie ihr dazu steht.

Mich hat dieser zweite Teil getriggert, Erinnerungen hochgeholt und auch eine Scham. Doch genauso wie diese Empfindungen kamen, kam auch ein Verständnis, ein heilsames Verständnis. Denn manchmal geht es nicht anders. Leider. Um so schöner dies später aus einem anderen Licht sehen zu können. Und auch etwas darüber lächeln zu können. Über sich selbst zu lächeln. Denn dieses Ganze impliziert halt auch ein war, eine Vergangenheit. Und das ist gut so. 

Denn letztlich macht ja alles, was damals war, dieses Jetzt. Das Damals macht das Jetzt erst möglich. Auch Helena tendiert in diese Richtung. 

In dem Buch „Alles, was ich über Liebe weiß, steht in diesem Buch“ von Elke Schmitter steht alles über die Liebe. Meiner Meinung nach. Alles an Bildung. Aber auch alles von der Einbildung. Das Buch macht diese Einbildung, das Warum der Einbildung greifbar und verständlich. Für daran Interessierte ist dieses Buch durchaus ein Gewinn. Für mich war es definitiv ein Gewinn. Aus verschiedenen Gründen.


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