Rezension zu „Das Loch“ von Hiroko Oyamada
Wir sind in Japan. Wir sind in einer anderen Welt. Die junge Asahi zieht mit ihrem Mann von der Großstadt aufs Land in den Geburtsort des Mannes. Die Schwiegereltern leben um die Ecke, das Paar ist also auch nicht allein in der neuen Welt. Asahi gibt ihren Job auf und wird Hausfrau. Der Arbeitsweg zum Job in die Großstadt ist Asahi zu anstrengend, daher trifft sie diese Entscheidung, auf dem Land will sie erst einmal schauen, vielleicht bietet sich ja eine andere Möglichkeit zur Arbeit für sie. So weit, so gut und zum Teil ist das alles für mich auch nachvollziehbar. Wir sind in einer anderen Welt. Die Frau folgt dem Mann. Das kann man bewerten. Man kann es aber auch lassen. Denn solche Geschichten finden sich nicht nur in Japan, auch bei uns gibt es solche Entschlüsse. Man muss dies nicht gut finden, kann es aber auch als gegebenen Fakt hinnehmen. Allerdings ein Fakt, dem frau etwas skeptisch hinterherblickt.
Und so schaut sich Asahi in ihrem neuen Zuhause um. Sie langweilt sich im neuen Zuhause, dessen Anforderungen nicht so hochgesteckt sind. Latent und unterschwellig bemerkt man aber auch schon etwas Eigenwilliges. Die Schreibe, die Stimmung im Buch hat mich etwas an Haruki Murakami erinnert. Asahi unternimmt Streifzüge an ihrem neuen Domizil, erkundet ihre Umgebung, folgt einem komischen Tier und fällt in ein Loch. Ab diesem Zeitpunkt gewinnt diese eigenwillige Stimmung in dem Buch die Oberhand und als Leserin befinde ich mich in einem Lesesog, der mich nicht mehr loslässt. Asahi begegnet immer mehr latent surrealen Dingen, Situationen, Menschen. Und als Leserin verfolge ich beinahe atemlos, fast fiebrig das Geschehen.
Solch ein Gefühl liebe ich ja beim Lesen und die japanische Autorin Hiroko Oyamada erschafft dieses Gefühl fast mühelos. Das Buch ist ausgezeichnet worden, für mich ist dies völlig nachvollziehbar. Denn „Das Loch“ ist definitiv gelungen und wunderschön.
Das etwas distanziert Geschriebene dringt nicht völlig in mich ein und eine Nähe zu Asahi entsteht in mir während der Lektüre nicht vollkommen, daher meine 4 Sterne Bewertung. Dennoch ist diese 4 Sterne Bewertung sehr nah an den 5 Sternen angesiedelt. Denn dieser entstandene Lesesog während der Lektüre entschädigt für mich den angegebenen Kritikpunkt in einem hohen Maße. Ich kann „Das Loch“ auf jeden Fall sehr empfehlen. Ich habe es sehr gern gelesen und die kurze nur 128 Seiten lange Geschichte ist echt gelungen. Sie hätte durchaus länger sein können. Aber sie muss nicht länger sein. In dem Buch ist für mich alles drin, was hier reingehört. Ich habe nichts vermisst. Und ich empfehle das Buch jedem Freund japanischer Literatur, jedem Freund von schaurigen Geschichten. Unbedingt lesen ihr Lieben!
⭐⭐⭐⭐
Rezension: © Booquinia
Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © Rowohlt
Gegenwartsliteratur
2024 bei Rowohlt erschienen
Vielen Dank an den @RowohltVerlag und an @Netgalley für das Rezensionsexemplar!
978-3-498-00486-6
128 Seiten
