Rezension zu „Im Herzen der Katze“ von Jina Khayyer

Im Herzen der Katze. Ein Lesehighlight in diesem Lesejahr. Definitiv. Das erste Buch in einem Lesemonat der Tränen. Gerade dieser Lesemonat hatte es in sich. Ein Monat voller wahnsinnig intensiver Bücher. Und dieses „Im Herzen der Katze“ ist eines davon.

Der Deutsche Buchpreis und seine Longlist. Ich suchte dieser Longlist schon ein Stück hinterher. Denn diese Longlist hat es in sich. Seit 2018 lese ich der Longlist hinterher und immer wieder gibt es echte Lesehighlights für mich. So auch hier.

Im Herzen der Katze. Welche Katze? Der Umriss von Iran wird in dem Buch zu einer Katze erklärt. Und wenn man der Erklärung im Buch folgt, kann man dies nachvollziehen. Katzen liebe ich. Wild, eigensinnig, sinnlich, voller Leben. Dies in Verbindung zu bringen mit dem Iran erscheint etwas fragil, bzw. auch etwas unsinnig. 

Denn der Iran, ein wunderschönes Land, ist momentan von einem Regime beherrscht, welches das Sinnliche nicht zu schätzen weiß, welches das Weibliche in ein enges Korsett steckt. Ein eng geschnürtes Korsett, welches das Luftholen schwierig macht.

Jina Khayyer entführt die Leserschaft in den Iran. Sie selbst ist Deutsche mit iranischen Wurzeln, wurde in Deutschland geboren, lebte in Deutschland und lebt jetzt in Frankreich. Sie kennt den Iran, liebt den Iran und muss aus der Ferne zusehen, was in ihrer empfundenen Heimat passiert. Das scheint nicht einfach zu sein.

Eine Bloggerin (Danke Seitenmusik!) hat in ihrem Post zu „Im Herzen der Katze“ ein Lied mit verlinkt. Shervin Hajipour – Baraye. Das Lied wurde das Lied der Proteste im Iran. Unheimlich traurig. Die Tränen flossen schon beim Hören. Aber beinahe noch intensiver sind die Bilder, die Videos, in denen die iranischen Gemeinden im Exil dieses Lied singen. Tränen und Schauer. Da ist die Liebe zum Iran. Und auch die Trauer über das entsetzliche Geschehen dort.

Jina Mahsa Amini und der Slogan Jin, Jiyan, Azadî – Frau, Leben, Freiheit sind wohl allen bekannt. Doch dies sind die Proteste aus dem Jahr 2022. Proteste im Iran gibt es schon länger. 1979 kamen die Ayatollahs an die Macht. Eine Flucht setzte ein. Aber nicht alle flohen, es blieben auch menschlich tickende Iraner. Und sie wehren sich. Mutig und ungeheuer stark.

Im Buch lässt der Tod von Jina Mahsa Amini die Titelfigur Jina in Südfrankreich zusammenzucken. Die Namensgleichheit lässt dieses Grauen noch näher rücken. Sie erinnert sich. An das Jahr 2000 und auch an 2009, an ihre Besuche im Iran. Sie denkt an ihre Familie im Iran. An ihre Familie im Iran, die 2022 auf der Straße sind und protestieren, sich damit gefährden, in einem Land der regierenden Mörder!

Ein unheimlich bewegendes Buch! Ein Blick auf ein Regime. Aber auch ein Blick auf den Mut der Menschen und vor allem auf den Mut der Frauen dort! ❤❤❤

Was mir in dem Buch auch sehr gefallen hat, ist diese wunderschöne Sprache. Diese verschiedenen Arten Danke zu sagen. Dieses Blumige in der Sprache. Mein Herz ging auf! Mehrfach. Immer wieder. Dieses Buch macht ungeheuer neugierig auf den Iran.

Auch wenn ich aus verschiedenen Gründen wohl niemals dahin reisen werde!

Aber eins kann ich sagen. Unbedingt „Im Herzen der Katze“ von Jina Khayyer lesen. Dieses Buch ist einfach wunderschön. Ungeheuer traurig, sehr bewegend, aber es berichtet von unserer Stärke, der Stärke der Frauen!!! 💕🔥❤


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