Rezension zu „Das hier ist nicht Miami“ von Fernanda Melchor

Fernanda Melchor „Das hier ist nicht Miami“. Ein weiteres Buch über Mexiko, welches sich vor meine Augen schlich und damit mexikanische Lebenswelten sichtbarer macht. Wenn ich mal von den ganzen Büchern über Frieda Kahlo absehe, gab es in der letzten Zeit noch einige Bücher mehr, die mich über Mexiko informierten. Seien es geschichtliche und daraus resultierende Wahrnehmungen im Jetzt, die man im Buch „Jetzt ergebe ich mich, und das ist alles“ von Álvaro Enrigue findet oder Blicke aus dem weiblichen Jetzt von Mexiko in „Reservoir Bitches“ von Dahlia de la Cerda und ein Blick aus einer möglichen Zukunft von Mexiko in „Diese brennende Leere“ von Jorge Comensal. Viele verschiedene Blicke auf Mexiko. Und Fernanda Melchor liefert in „Das ist nicht Miami“ ihren Blick auf Mexiko, auf ihre Heimat, auf den Bundesstaat Veracruz.

Nun ist „Das ist nicht Miami“ kein Roman, es sind Erzählungen in diesem Buch vereinigt. Sehr interessante Erzählungen. Die einzeln betrachtet perfekt sind. Jedoch nur in der Verortung zueinander finden. Was ich etwas schade fand. Aber das sind Erzählungen halt auch. Sie sind einzeln zu betrachten. Ermöglichen in ihrer Fülle verschiedene Blicke. Und hier sind das eben Blicke auf den karibischen Bundesstaat Veracruz. 

Blicke auf die Menschen in Veracruz, auf ihr Leben, auf ihr Sein. Blicke auf die Provinz. Blicke auf weibliches Sein. Blicke auf das Vergeistigte, auf den Glauben, auf die Geisterwelt. Wobei hier die Geschichte um ein Haus, welches einen namenlosen Schrecken beheimatet, schon im Buch heraussticht, mich hachtig die Seiten umblättern ließ. Was für ein Schauer! Was für eine Kraft in dieser Geschichte! Wobei dieser namenlose Schrecken vielleicht auch als ein Sinnbild zu verstehen ist. Doch dieses Noir in der Geschichte, der Schauer, nun, ich war verzaubert. Blicke auf die Gewalt, auf die Kartelle, auf das Morden folgen. Wie auch über das Tun der westlichen Welt in Mexiko berichtet wird. Und auch das Thema Flucht in die vermeintlichen Segnungen der westlichen Welt wird thematisiert. Wobei ich hier die Veränderung in der Welt mal benennen möchte. Hier ist Miami noch ein Ziel der Migration. Ob das wohl heute immer noch so ist, wo doch Unmenschliches mehr und mehr das Sagen übernimmt in unserer westlichen Welt. Momentan könnte es zumindest auch ein glücklicher Umstand für manche sein, nicht in Miami zu sein. Nur mal so am Rande.

Fernanda Melchor hat mich auf jeden Fall neugierig werden lassen auf ihr Werk mit diesem Buch hier. Ich besitze ja noch zwei Bücher von ihr. Mal schauen, wann ich zur Lektüre komme. Ich schreibe hier ja nun öfter, dass ich weitere Bücher in meinen heiligen Regalen habe. Das leidige Thema von uns sammelwütigen Büchermenschen. Hach ja. Ich weiß, kennen wir wohl alle. Und das ist auch gut so. Denn für etwas brennen, Leidenschaften zu kennen, bedeutet halt auch dem Negativen im Leben besser begegnen zu können.

Ein Lesettipp. Wer an Mexiko interessiert ist, sollte zu diesem Buch hier greifen. Aber auch zu den am Anfang genannten Büchern. Unbedingt! ❤🐍🦅

⭐⭐⭐⭐


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