Rezension zu „Die Ungezähmten“ von Gabrielle Filteau-Chiba

Die Ungezähmten. Wenn schon der Titel ungemein anspricht! Ungezähmt. Mein Inneres schreit ja. Aber ist dem so? Mit einem Brotjob in der Gesellschaft verortet zu sein und noch ungezähmt sein wollen. Geht das? Denn in der Gesellschaft verortet zu sein bedeutet ja schlussendlich viele Kompromisse eingehen zu müssen. Ohne Kompromisse der Einzelnen funktionieren ja Gesellschaften nicht unbedingt. Dies mag in der kanadischen Wildnis noch etwas anders möglich sein. Vielleicht auch bei uns, wenn eben Job und das gewählte Lebensmodell noch Freiheiten zulassen. Welches Lebensmodell lässt denn den Frauen in unserer Gesellschaft noch ihre Freiheit? Ja, hier wirds schwer. Dennoch sind das Gedanken, die sich frau machen sollte. 

Tief in den Wäldern Kamouraskas in Quebec in Kanada lebt Raphaëlle mit ihrer Hündin Coyote. Sie lebt größtenteils selbstbestimmt, ist Wildhüterin, dies ist ihr Job, aber auch ihr Herzblut. Sie ist Schützerin und Bewahrerin. Ihr Herz schlägt für die Natur und ihre Bewohner. Raphaëlle ist der Gegenpart unserer von der Gier zerfressenen Gesellschaft. Und Raphaëlle stellt sich gegen jene Gier. Aktiv und absolut mutig. Dies macht ihr natürlich Feinde. Denn dieses Leben allein in der Wildnis in einem Wohnwagen klingt zum Teil verlockend, wenn man mal von der doch herausfordernden Witterung in Kanada absieht. Niemand nervt dich, niemand stört. Eine Wohltat. Aber allein leben birgt auch Gefahren, besonders als Frau und besonders wenn man sich durchs eigene Tun Gegner schafft. Ihre Hündin Coyote wird durch Fallen eines Wilderers verletzt und Raphaëlle sieht rot. Sie zerstört die Fallen und bringt damit den Wilderer gegen sich auf. Und dies tut sie als Frau allein in der Wildnis. Eine schwierige Gemengelage.

Naturschutz, Tierliebe, Gewalt an der Natur, Gewalt an der Frau, menschliche Gier, Rache, Liebe und Rückbesinnung auf unseren Ursprung finden sich thematisch in diesem gelungenen Buch. Dies mag vielleicht etwas viel sein für ein Buch. Durchaus. Vielleicht kostet dieses etwas zu viel dem Buch auch den eigentlich verdienten letzten Stern. Vielleicht. Denn diese ganze Thematik ist halt auch sehr passend, stimmig und trifft die momentane Zeit perfekt. Das Rachethema, nun ja, ist vielleicht nicht unbedingt menschlich einwandfrei. Aber zum eigenen Schutz in der Wildnis ist dies vielleicht auch anders zu betrachten. Mein Knackpunkt war das Liebesthema. Ich habe nichts gegen die Liebe. Aber hier wirkt die Konstruktion meines Erachtens als etwas zu gewollt. Irgendwie sind das zwei Bücher, die etwas zu abgehackt und zu wenig miteinander verwoben zusammengebracht wurden. Dies nimmt dem Buch für mich den letzten Stern. Denn ich mag das Buch sehr, die Thematik, den Blick auf die Natur, den Blick auf die Frau, den Blick auf das Wertvolle in unserer Welt. Das Wertvolle muss beschützt werden vor der Gier und mal ehrlich. Schafft man das allein mit Worten? Denn diejenigen unter uns, die der Gier frönen, zu was sind diese Kreaturen bereit? Von daher passt das dann alles. Nur dieser Rückzug in die Liebe dann, dies hätte anders gelöst werden müssen für meinen Geschmack. 

Ein paar Worte über dieses Cover müssen auch noch sein. Ist das Cover schön oder ist das Cover schön?! Absolute Coverliebe von mir. ❤


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