Rezension zu „No Way Home“ von T. C. Boyle
T. C. Boyle schreibt hier über die Liebe. Da ich T. C. Boyle liebe, hat mich dieses Buch natürlich magisch angezogen. Denn die Liebe, nun ja, wer mag sie nicht?! Und T. C. Boyle und die Liebe. Nun das macht doch sehr neugierig. Oder?
Doch meine Neugier wurde hier enttäuscht. Ich habe selten ein Buch, wo ich wirklich jeden der Charaktere furchtbar finde. Und hier bei „No Way Home“ habe ich genau das bekommen. Drei Charaktere, die ich nacheinander und immer wieder schütteln wollte, denen ich wirklich sehr gern die Meinung sagen wollte. Die mich aufgeregt haben und die sicher nicht förderlich für meinen Blutdruck waren.
Nun ist dies sicher nicht als negativ zu bewerten. Denn an der Situation ist hier nichts zu bemängeln. Denn diese Terrys, diese Bethanys und diese Jesses, sie gibt es. Man macht die Augen auf und findet sie. Nur hat man mit ihnen wenig zu tun. Denn solche Wesen, ich schiebe sie weit von mir. Warum soll man sich auch mit so viel Destruktivität herumärgern.
Ebenso könnte ich mich aber auch fragen, warum mich diese Wesen so ärgern? Auch dies wäre sicher eine Möglichkeit! Vielleicht eine Möglichkeit, die mir etwas bringt. Sicher ist das so!
Dennoch, ich habe mir hier etwas anderes gewünscht. Ich habe mir gewünscht, dass T. C. Boyle mit ihnen in seiner Geschichte anders verfährt. Sie mehr ins Messer laufen lässt. Der Geschichte einen brachialen Touch verleiht. Und auch hier wieder, warum wünsche ich mir das?
Gut, T. C. Boyle hat oft eine messerscharfe und gut gewürzte Art auf Menschen zu blicken. Vielleicht rührt auch daher mein Wunsch. Vielleicht.
Aber Erwartungshaltungen haben für gewöhnlich doch eher mit einem Selbst zu tun. Von daher. …
Terry, ein Arzt aus Los Angeles, fährt wegen dem Tod der Mutter nach Boulder City in Nevada, inspiziert das Haus der Mutter und kümmert sich um die zu regelnden Dinge. Angegriffen, wie er ist, sucht er auch nach etwas Ablenkung und begegnet Bethany. Diese wittert ihre Chance und greift zu. Denn ein Arzt, nun ja, dies mag für manche ja etwas bedeuten. Nur ist Bethany auch noch anderweitig verbandelt und reagiert nicht sich völlig öffnend. Und so tritt Jesse auch noch auf die Bühne. Eine Ménage à trois, die es in sich hat. Nur eben mit furchtbaren Menschen.
Denn eine Ménage à trois geht ja auch durchaus ansprechender!
Aber hier geht es eben um die furchtbare Variante der Ménage à trois mit Terry, Bethany und Jesse in den Hauptrollen.
Denn diese drei Exemplare der menschlichen Gattung regen mich einfach nur auf. Dabei ist aber die Geschichte gut gelungen. Alle drei Charaktere bekommen die Möglichkeit ihre eigenen Sichten/ihre eigene Perspektive auf die Geschichte zu erzählen. Dies erscheint authentisch und auch spannend. Nur das Ende war nicht meins, ich habe mir eine Explosion gewünscht. Aber sicher durch meine Abneigung getriggert. Diese fehlende Explosion kostet dem Buch den letzten Stern. Denn meine Abneigung hat mit den Charakteren zu tun und letztendlich mit mir.
Die Geschichte ist völlig nachvollziehbar und sicher immer wieder zu finden. Wenn man offenen Auges durch die Welt geht.
Und ja, die Liebe lässt einen manchmal gar sehr komisch werden. Reales Denken ist da ab und zu nicht zu finden. Hhmm. Nun ja.
⭐⭐⭐⭐
Rezension: © Booquinia
Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © Hanser
Gegenwartsliteratur
2025 bei Hanser erschienen
Mein Dank geht an NetGalleyDeutschland und an den Hanser-Verlag für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!
978-3-446-28423-4
384 Seiten
