Rezension zu „Russische Spezialitäten“ von Dmitrij Kapitelman

Russische Spezialitäten. Diese gibt es in einem Laden in Leipzig. Eine Familie aus Kyjiw führt diesen Laden. Ein Laden für Russische Spezialitäten, und auch ein Laden für ein osteuropäisches Zusammengehörigkeitsgefühl. In Leipzig. Also im Osten. Die Familie Kapitelman kommt aus Kyjiw, also der Ukraine, doch der Vater Leonid Kapitelman ist ein jüdisch-ukrainischer Mathematiker und die Mutter Vera Romashkan stammt aus Moldawien. Dmitrij ist 1986 in Kyjiw geboren und die Familie kommt 1994 als jüdische Kontingentflüchtlinge nach Deutschland, landen im Osten des Landes. Dies zum Davor, was ja immer mitschwingt in allem, was uns als Menschen ausmacht. Aus diesen kurzen Daten kann man viel entnehmen, vieles was in Richtung Zwischen den Stühlen sitzen hindeutet. Doch dies alles reicht ja noch nicht. Denn hier kommt noch eine Gehörige Portion Politik mit hinein. Erst dann ergibt sich ein fertiges Konglomerat. Ein schwieriges Konglomerat.

Denn wo ist dieses osteuropäische Zusammengehörigkeitsgefühl zu Zeiten eines Krieges zwischen Russland und der Ukraine. Wo ist dieses Zusammengehörigkeitsgefühl im Osten, einem Teil von Deutschland, einem vermeintlichen Wir? 

Die Familie ist gespalten. Der Sohn liebt die russische Sprache, aber ebenso die Ukraine. Die Mutter glaubt der Polemik von Putin. Der Sohn liebt die Mutter, zerbricht aber an ihren Ansichten. Und so fährt er in Zeiten des Krieges in die Ukraine. Ist auf der Suche. Auf der Suche nach Wahrheiten. Und er findet Wahrheiten, die ihn und seine Sichten fragiler erscheinen lassen. Denn dieses so viel beschworene Schwarz und Weiß, dieses Gut und Böse, gibt es das? In Zeiten des Krieges, in Zeiten der abnehmenden Liebe und des wachsenden Hasses. …

„Russische Spezialitäten“ ist ein kluges Buch. Ein Buch, welches perfekt in die heutige Zeit passt. Ein Buch, welches unbedingt gelesen werden sollte.

Denn es fragt nach dem Sinn der ganzen Polemik, in der wir uns befinden. Die es uns schwer macht, das Richtige zu finden. In der Politik, aber auch in uns.

Denn eines sollte uns klar sein. Wir sind Menschen und gewisse Menschen benutzen uns und unsere Gefühlswelt für ihre ureigenen Ziele, die nichts, aber auch gar nichts mit Menschlichkeit zu tun haben, sondern nur zur Befriedigung ihrer Machtgelüste dienen. 

Wir sind Menschen. Keine Maschinen. Also lasst uns menschlich sein und unsere Herzen offenbleiben. Offen für menschliches Leid! Egal wo!

Dieses Buch zeigt einen Weg dahin. Ein wichtiges Buch!

⭐⭐⭐⭐


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