Rezension zu „Blondes Herz“ von Bernardine Evaristo
Doris ist der Hauptcharakter des Buches. Doris muss ihren Weg finden. Denn Doris ist traumatisiert. Doris ist geraubt worden und nun eine Sklavin. Einst lebte sie im schönen England und nun ist sie Sklavin in Aphrika. Ja, richtig gelesen. Eine Waiße ist Sklavin in Aphrika, in Großambossanien genauer gesagt, eine vorgelagerte Insel vor Aphrika und später reist sie als Sklavin in die Neue Welt, nach Amarika, welches von Großambossanien kolonisiert wurde.
Bernardine Evaristo kenne ich schon von ihrem Buch „Mädchen, Frau etc“. Ein etwas eigener Humor wohnt diesem Buch bei, vielleicht gewöhnungsbedürftig, ja, aber durchaus angebracht in meinen Augen.
Eben diesen etwas eigenen und recht düsteren Humor findet man auch hier bei „Blondes Herz“, dazu kommt noch eine boshaft züngelnde Satire. Eine durchaus interessante Mischung! Denn dieses Buch ist zwar eine Umkehr der geschichtlichen Geschehnisse. Aber nicht nur. Auch eine gewisse Überzeichnung findet man hier. Vielleicht auch schon eine Verzerrung.
Denn diese Welt in „Blondes Herz“ ist nicht einfach nur umgedreht. Eine gänzlich neue Welt wird hier gezeichnet, diese Welt ist bunt und auch recht wild zusammen gemixt. Und das meine ich geographisch und geschichtlich. Aphrika mit dem vorgelagerten Großambossanien liegt nördlich von Europa, westlich von diesen ist dann wieder die Neue Welt zu finden, das klanghafte Amarika. Insgesamt liest sich dieser Mix sehr gut. Etwas habe ich mich an die Underground Railroad erinnert gefühlt, dann wieder finde ich dieses Blond so in den Vordergrund zu stellen auch etwas bezeichnend. Denn gerade dieses Blond so zu hofieren, setzt ja wieder Blickpunkte. Es gibt ja auch im Jetzt diese Wesen, die dieses Blond so favorisieren. Dann sind auch wieder feministische Gedanken zu finden, was ich sehr gut finde. Dieses Buch „Blondes Herz“ ist also mitnichten nur eine Umkehr der Geschichte, sondern eher eine interessante Idee, die völlig in die Welt der Evaristo passt und zeigt, dass diese Autorin die Leserschaft gern etwas vor den Kopf stößt. Was ihr schon bei „Mädchen, Frau etc“ gut gelungen ist.
Nun könnte man meinen, dass die Geschichte einer Sklavin mich völlig vom Hocker reißt. Müsste es ja, bei meinen Lesegewohnheiten. Starke Frauen und ihre Wege faszinieren mich für gewöhnlich. Da sind die 5 Sterne schon mal schnell gezückt. Dies passiert hier nicht. 4 Sterne gibt es von mir. Und dies ist so weil mich eben jene Doris nicht völlig erreicht. Doris Geschichte erscheint mir etwas zu kühl erzählt, so dass es mich beim Lesen nicht anzündet. Ich nicht mit Doris gehe, sondern eher nebenherlaufe. Und das gefällt mir ja bekanntermaßen nicht so sehr.
Denn die Gestaltung der Welt in „Blondes Herz“ und ihre gut gelungene Verzerrung gefällt mir sehr. Wenn Doris mein Herz erreicht hätte, wäre dies durchaus ein 5 Sterne Buch für mich gewesen. Schade!
⭐⭐⭐⭐
Rezension: © Booquinia
Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © Tropen
Roman
2025 bei Tropen erschienen
Mein Dank geht an NetGalleyDeutschland und an den Tropen-Verlag für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!
978-3-608-50275-6
288 Seiten
