Rezension zu „In den Flügeln das Licht“ von Aidin Halimi

Die momentane Situation im Iran beschäftigt mich sehr und natürlich möchte ich mich deshalb intensiver mit dem Iran beschäftigen. Als ich dann von diesem Buch hier hörte, war ich sofort angezündet.

Und nach der Lektüre von „In den Flügeln das Licht“ bin ich begeistert. Der Autor Aidin Halimi hat hier einen Roman geschrieben, der mich inhaltlich gefesselt, emotional sehr berührt hat und der mich über die Zeit vor den jetzigen Protesten umfassend informiert hat. Für einen Debutroman ist „In den Flügeln das Licht“ ein absolut gelungenes Buch. Man merkt, dass der Autor sich nicht völlig unbedarft der Geschichte genähert hat, dass er durchaus schon Erfahrungen im Umgang mit Zuhörern/Lesern hat. Nichts in dem Buch deutet darauf hin, dass der Autor sich im Poetry Slam Bereich und als Comedian verdingt. Dies könnte eine Angst der Leser sein, die ich hiermit beseitigen möchte. „In den Flügeln das Licht“ ist ein zutiefst bewegender Blick auf das Tun einer Diktatur. Dieses Buch ist lehrreich, beleuchtet es doch die Zeit der Proteste gegen den Schah, seine Flucht und das Geschehen danach bis zu den Massenhinrichtungen im Jahre 1988. Damit überzeugt das Buch nicht nur durch seine Emotion, sondern auch durch das darin enthaltene Wissen. Ebenso wie das Buch Vergleiche weckt. In der Zeit der Massenhinrichtungen zeigte die Islamische Republik schon damals ihre Brutalität. Die Schätzungen der Toten des Jahres 1988 gehen von 5000 Toten bis zu 30000 Toten aus. Eine ungeheure Zahl, die durchaus Vergleiche ins Jahr 2026 zieht. Obgleich man nicht vergessen sollte, dass es zwischen 1988 und 2026 durchaus noch weitere mörderische Vorgehensweisen der Islamischen Republik gegen die eigene Bevölkerung gab. Einfach furchtbar!!!

Der Roman beschäftigt sich mit der Familie des Oppositionellen Sohrāb. Schon am Anfang des Buches wird klar, Sohrāb ist tot. Seine Frau Tārā hält die Familie über Wasser, sich, ihre Mutter Aziz und die Söhne Kāveh und Ābtin, denn Tārā musste wegen ihrem Mann Sohrāb und wegen ihrem eigenen Tun auch Einschränkungen durch den Staat erfahren und so zog die Familie nach der Inhaftierung des Mannes von Teheran ins nahe gelegene Karaj zur Mutter von Tārā. Der Roman zeigt nach der Information des Todes von Sohrāb das Geschehen davor, zeigt, was es bedeutet im berüchtigten Evin-Gefängnis zu sitzen und zeigt, was es für die restliche Familie bedeutet, nun vom Staat stigmatisiert zu sein. Nicht nur die Familie sind die Hauptprotagonisten, auch ihr Umfeld wird etwas beleuchtet und hier sticht die Person der Bibi Medādi hervor, eine Buchhändlerin, die einerseits für Kāveh wichtig ist und andererseits wieder einen Blick auf den Mut der Frauen des Iran ermöglicht. Eine wunderbare Protagonistin! Die Blicke auf die Protagonisten sind intensiv und eindringlich, ihre Situation bewegt. Und dies geschieht nicht über eine besonders ausgeschmückte Sicht auf den Horror, dies geschieht im Blick auf das normale Leben, dies geschieht über einen menschlichen und menschelnden Blick. Und dies geschieht über einen Realitätsbezug, denn der Roman ist geprägt von der Lebensgeschichte von Aidin Halimi. 

Ein wirklich wunderbares Buch, bei dem ich begeistert rufe: Lesen! Jede, Jeder, die das jetzige Geschehen im Iran bewegt, rufe ich zu: „Lest „In den Flügeln das Licht“ von Aidin Halimi. Ein intensives und berührendes Buch. Und ein informativ wichtiges Buch!

Denn manch ein hehres Ziel birgt Fallstricke. Fallstricke, die man vielleicht nicht gleich sieht. Die aber dennoch zu folgenschweren Fallstricken werden können. Denn dieses Schwarz und Weiß. Dies gibt es nicht. Alles nuanciert in einem changierenden und wabernden Grau. 


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