Rezension zu „Die späten Tage“ von Natascha Wodin

Mein erstes Buch von Natascha Wodin war „Der Fluss und das Meer“. Und genau dieses Buch ließ mich aufhorchen. Denn diese Autorin kann schreiben, ihre Schreibe bewegt und berührt. Nach solch einer Lektüre will ich natürlich mehr. Und dieses Mehr kam mit „Die späten Tage“.

Ein Buch übers Älterwerden. Wenn man nicht mehr ganz so taufrisch ist, gewinnt solch ein Buch an Bedeutung. Denn einiges kennt man schon, anderes wieder wartet noch auf seine Zeit. Und so liest sich dieses „Die späten Tage“ doch recht schnell weg. „Die späten Tage“ ist ein Blick auf Natascha Wodin, ein Blick auf ihr Leben, ein Blick auf das Altwerden. Und dieses ganze Konglomerat ist liebevoll und empathisch geschrieben. Ich liebe ihre Schreibe, ihre Sichten, ihre Gedanken. Natascha Wodin, am 8. Dezember 25 wurde sie 80 Jahre, blickt in ihrem im November 25 erschienenen Buch ehrlich auf ihr Jetzt und auf ihr Gestern, beschäftigt sich mit ihrem Alterungsprozess und mit dem Danach, welches ja irgendwann auf uns alle wartet, denn dieses Leben überleben schafft ja bekanntlich niemand. Und doch wird genau dieses Thema, unser Sterben, ja meist irgendwie ausgeblendet. Ich arbeite im Krankenhaus und ja, in unserem Berufsalltag ist der Tod kein Thema, dem man dort ausweichen kann. In der Psychiatrie ist es noch einmal anders, dort kommt der Suizid noch dazu. Auch etwas mit dem man klarkommen muss. Denn gerade psychiatrisch Erkrankte kommen oft wieder und ja, man baut Bindungen auf, ob man will oder nicht. Denn unser menschliches Empfinden kann man ja nicht mit dem Einloggen auf Arbeit ablegen. Will man ja auch nicht! Ich auf gar keinen Fall und meine Kolleginnen auch nicht. Doch auch das Älterwerden und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten werden meist weggeschoben und nicht betrachtet. Warum eigentlich? Weil es weh tut?! Nun wir schreiben sehr viel über die Liebe!?!? Diese kann ja auch sehr schmerzhaft sein. Wird aber dennoch betrachtet. Immer und immer wieder. Meiner Meinung bedarf aber auch der Blick auf das Alter einer genaueren Betrachtung. Denn da passiert so einiges. Und völlig unbedarft dort hinzukommen. Nun ja. Meines Erachtens sollte ein anderer Umgang mit diesem doch recht einschneidenden Prozess in unserer Gesellschaft Einzug halten. Wir werden älter, haben also länger etwas vom sogenannten Altwerden. Völlig ahnungslos da hinein schlittern. Nun ja, das wirkt auf mich etwas blauäugig.

Denn nur wenn ich mich weigere mich mit etwas auseinanderzusetzen, heißt dies ja dann nicht, dass ich davon verschont bleibe. 

„Die späten Tage“ ist auf jeden Fall ein Buch, welches ungeschönt und ehrlich auf dieses Älterwerden und das daran anschließende Gehen schaut. Ein empathisches Buch! Ein berührendes Buch! Ein Tipp!

Was bedeutet es alt zu werden, alt zu sein? Natascha Wodin beschreibt gnadenlos, wie es ihr geht, was die Alterungsprozesse mit ihr gemacht haben. Daraus kann man Schlüsse ziehen. Denn ein Wissen über das Kommende lässt vielleicht ein Gegensteuern zu. Der unausweichliche Muskelabbau und die damit einhergehende schwindende Kraft sind sicher nichts Schönes. Doch ist man dem hilflos ausgeliefert oder hat man vielleicht doch über Bewegungstherapie, angepasste Übungen eine Möglichkeit da etwas zu verbessern, sich sein Leben schöner zu gestalten. Ebenso wie ein Überdenken der Ernährung, des Flüssigkeitshaushaltes hier durchaus hilfreich sein kann. Es gibt hier sicher noch mehr, was man tun kann. 

Nur eines hilft sicher nicht, den Kopf in den Sand stecken.

Die Lektüre von „Die späten Tage“ ist empathisch berührend, aber ebenso höchst informativ. Denn dieses Älterwerden ist ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen müssen!

Lesetipp und Leseempfehlung!


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