Rezension zu „Drei Tage im Juni“ von Anne Tyler

Anne Tyler. Unaufgeregtes Schreiben. Dennoch inhaltvolles Schreiben. Drei Bücher kenne ich bis jetzt von Anne Tyler. „Launen der Zeit“, „Der leuchtend blaue Faden“ und „Der Sinn des Ganzen“ sind diese schon von mir gelesenen Bücher. Dreimal Vier Sterne Bewertungen. Drei gute Bücher, die mir gefallen haben, aber mich nicht völlig angezündet haben. Dies war bei „Drei Tage im Juni“ ein bisschen anders. Dabei ist auch „Drei Tage im Juni“ unaufgeregt erzählt, dennoch knipst mich dieses Buch anders an. Ich vermute mal es lag am Thema, an der Figur der Gail.

Gail und Max, ehemals verbandelt, jetzt getrennt, treffen sich in diesen Tagen im Juni wieder. Anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Debbie. Doch es kommt nicht so wie geplant. Max reist aus einem Ort östlich der Chesapeake Bay nach Baltimore, um an den Hochzeitsfeierlichkeiten teilzunehmen, doch er bringt seine Katze mit, weiß nichts von der Allergie des Bräutigams von Debbie und muss deswegen kurzfristig bei Gail unterkommen. Diese ist nicht erfreut, macht aber notgedrungen bei diesem Spiel mit. Und so zieht die Vergangenheit wieder bei Gail ein und mit ihr der Blick auf alte Fehler. Die mit sich sehr strenge Gail wird an alte Dinge erinnert. Dinge, die sie vergessen wollte. Doch hat sie sie vergessen? Oder nagen bestimmte Ereignisse weiter an ihr? Gail und Max sind in ihren Endfünfzigern. Doch eigentlich benehmen sie sich nicht so. Wobei man auch denken könnte, wie benimmt man sich in seinen Endfünfzigern? Wie auch immer!?!? In meinen Augen wirken sie jünger, sind jung geblieben, auch wenn Verkrustungen in ihren Anfängen sichtbar sind. Dennoch haben sie es auch geschafft sich eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren, die man auf den ersten Blick nur bei Max wahrnimmt, die aber nach und nach auch bei Gail sichtbar wird. Gail und Max sind eingeladene Gäste, betrachten das Procedere, Fragen nach der Treue des Bräutigams tauchen auf, die Gail doch recht sehr umtreiben, was bei Max auf einiges Unverständnis stößt. Denn die Trennung der Beiden vor Jahren beruhte ebenso auf einer Untreue. Vertrauensfragen tauchen auf und auch die Frage, wo Gail und Max jetzt stehen. Die Beiden stellen sich diesen Fragen. Was ich einfach wunderschön fand. Denn gerade in den späteren Jahren sind ja viele nicht mehr bereit über ihren Schatten zu springen. 

Einfach eine wunderschöne Geschichte, die mich völlig erreicht hat, mich berührt hat und die ich sehr genossen habe.

Drei Tage, die es in sich haben und ein Buch, welches ich sehr gern empfehle. Denn Max und Gail, ich liebe sie beide und Anne Tyler und ihre Schreibe, ja, die liebe ich auch.

⭐⭐⭐⭐⭐


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