Rezension zu „Die Rose von Nischapur“ von Amir Hassan Cheheltan

David erfüllt sich 2015 einen Traum und reist in den Iran, fliegt nach Teheran. Wie man dies so einfach macht als Europäer, als Engländer ist mir völlig unbegreiflich. Iran ist ein Regime und was sich dort so tut, lässt in mir viele Gefühle hochkommen, keine schönen Gefühle. Ja, der Iran ist sicher ein hochinteressantes Land und es würde sicher wunderschön sein, dieses Land zu sehen. Definitiv. Aber freiwillig in ein Regime zu reisen hat für mich schon etwas sehr Blauäugiges. Ich bin in einem Regime aufgewachsen und dieses Regime war im Vergleich zum Iran ein Kindergarten, doch genau dieses Regime hat mir schon gereicht. Menschen und Menschlichkeit zählen in einem Regime nicht und auch als Ausländer kann einem in einem Regime einiges passieren. Für mich also ein NoGo. Noch dazu wo man bedenken sollte, dass das Geld, welches man mitbringt, genau diesem Regime nützt und auch das schließt sich für mich aus. Und ja, dies betrifft auch Urlaubsregionen. 

Aber egal, dieser David tickt nicht so und reist als Engländer in den Iran. Er ist Schriftsteller und ihn begeistert der iranische Schriftsteller Omar Khayyam. David möchte Khayyam nachspüren, auf seinen Wegen wandeln. Das finde ich wieder durchaus nachvollziehbar. Eine Bekanntschaft mit dem iranischen Schriftsteller Nader gibt den Anreiz für die Reise. Nader zerstreut Davids Bedenken und so fliegt David in den Iran. Er findet ein Zimmer in einer Pension in Teheran und besucht auch Nader und seine Freundin Nastaran in ihrem Zuhause. Aus der Bekanntschaft zu Nader wird etwas anderes, etwas, was man sich nicht zu benennen wagt und durch gewisse Umstände rücken die drei noch etwas enger zusammen. Es knistert und das Leben tobt. Eine Ménage à trois in Teheran. Das Sinnliche ist nicht vollkommen greifbar, es lauert im Hintergrund, eine Energie bildet sich, die ein Ventil sucht und schließlich findet. Ich fand gut, dass das Sinnliche hier im Hintergrund verbleibt, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese Ménage à trois in Teheran einen ihr wohlgesonnenen Ort findet. Und so bleibt es bei einem Vielleicht. Dennoch hat es dieses Finale wirklich in sich. Schon deswegen ein sehr lesenswertes Buch, wie ich finde. Menschliche Gefühlswelten und ihre Undurchsichtigkeiten werden hier in dem Buch wunderbar dargestellt, sie sind nicht zu viel dargestellt und/oder zu dramatisch, es spielt sich eher in einem Vielleicht ab. Und dies reicht völlig. Die Fantasie der Lesenden tut hier ihr Übriges. 

Interessant fand ich auch die Einblicke in den Iran, die das Buch hier bietet, insbesondere der Blick auf den iranischen Dichter Omar Khayyam. Er ist mir schon in anderen Büchern über den Iran begegnet und scheint recht interessant gewesen zu sein. 

Ein interessantes Buch, welches Einblicke in den Iran gewährt, Blicke auf das menschliche Miteinander/auf menschliche Gefühlswelten richtet. Also zwei Felder bedient, die mir am Herzen liegen. Und diese Thematiken setzt der Autor Amir Hassan Cheheltan wirklich sehr gut um. Lesen!


Hinterlasse einen Kommentar