Rezension zu „Vielleicht ist die Liebe so“ von Katja Früh

„Vielleicht ist die Liebe so“. Ein Titel, bei dem ich mir etwas anderes vorgestellt habe. Denn in diesem Buch geht es nicht unbedingt um die Liebe. Nicht die Liebe von Liebenden. Eher die Liebe von Familienangehörigen. Aber auch diese ist nicht völlig greifbar. Eine Mutter und ihre Tochter stehen in diesem Buch zentral. Wobei diese Figuren eher miteinander ringen und die Liebe meiner Meinung nach nicht so im Vordergrund steht. Anja und ihre Mutter, eine ruhige, in sich zurückgezogene Frau und eine dominante, um sich kreisende Frau. Beide sind familiär gebunden, aber sonst gibt es keine Verbindungen. Die eine hat ihre Ansprüche und Sichten, die andere versucht nicht anzuecken. Während die eine nur um sich und ihre Sichten kreist, versucht die andere zu genügen und sieht ihr Leben nicht im Vordergrund. Obwohl sie ja nur dieses eine Leben hat. Die Mutter fordert von der Tochter, sie bei ihrem eigenen Ableben zu unterstützen, sie möchte nicht siechen, möchte nicht leiden. Was nachvollziehbar erscheint. In der Schweiz, wo dieses Buch handelt, ist so ein Anliegen ja durchführbar. Und obwohl das Mutter-Tochter-Verhältnis vor Problemen strotzt, hat die Tochter mit diesem Anliegen ihre Probleme, die Liebe ist also dennoch vorhanden, denn die Tochter möchte die Mutter nicht ziehen lassen. Blicke auf das familiäre Miteinander lassen einige Hintergründe für das Jetzt der beiden Hauptprotagonistinnen aufblitzen. Man versteht etwas im Geflecht der beiden Charaktere, auch wenn diese Blicke dünn gesät sind. Auch wenn ich die Mutter nicht unbedingt sympathisch finde, bedeutet dies nicht im Umkehrschluss, dass damit die Tochter meine Sympathie trägt. Denn auch dieser Charakter hat für mich so seine Tücken, verharrt doch diese Anja meiner Meinung nach zu sehr in ihrer Opferrolle, behindert sich darin selbst und kommt wenig in die Aktion. Dies wird für die Mutter auch nicht einfach sein, die ja eine ganz andere Persönlichkeit hat. Blicke zurück deuten auf die Gründe für die Härte der Mutter. Auch wenn das Drumherum der beiden Protagonisten nur wenig ausgeleuchtet wird und man sich hier mehr wünscht, das Geschilderte reicht dennoch, um sich ein Bild zu machen und beide Charaktere ausreichend auszuleuchten. Es ist keine eindeutige Schwarz-Weiß-Zeichnung der beiden Figuren ersichtlich und das finde ich sehr gelungen. Alles andere wäre doch etwas zu einfach. Auch dem Thema des selbstbestimmten Sterbens wird ein Platz eingeräumt und auch hier ist der Blick nicht einseitig. Was der Eine wünscht, macht etwas mit den Anderen, mit den Bleibenden. Und dennoch, Wünsche und Vorstellungen, die mit der Würde einhergehen, brauchen eine Akzeptanz! In der Schweiz ist das scheinbar möglich. Und hier bei uns? Wo der Kranke ein gewinnbringender Faktor ist. Wird da irgendwann einmal ähnliches möglich sein. Kann ich mir nicht vorstellen, bei der uns infizierenden Krankheit der Gier. Aber gut, anderes Thema.

„Vielleicht ist die Liebe so“ ist kein einfaches Buch. Der Thematik wegen, aber auch der beiden Protagonistinnen wegen. Und dennoch, Katja Früh schafft es der doch etwas düsteren Thematik ihren Platz zu geben. Denn über dieses Thema sollten wir nachdenken! Und Katja Früh schafft es genauso ihre beiden Charaktere glaubhaft zu zeichnen. Keine Wohlfühlcharaktere. Aber recht interessante Menschen. In einer toxischen Mutter-Tochter-Dynamik. In der man die Liebe nicht vermutet, auf den ersten Blick, sie aber dennoch ihren Platz hat. 

⭐⭐⭐⭐


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