Rezension zu „Mord in der Pension Möwennest“ von Jess Kidd

Jess Kidd begeisterte mich schon mit zwei Büchern und auch dieses hier traf voll meinen Nerv. Nun muss ich sagen, dass ich eher die ruhigen Krimis favorisiere, am besten noch mit etwas schrulligen Charakteren. Und genau dies liefert Jess Kidd. Wer es schneller, lauter und knalliger mag, wird sicher etwas enttäuscht sein. Ich hingegen liebe die Schreibe von Jess Kidd. Bei den anderen beiden von mir gelesenen Büchern von Jess Kidd, „Der Freund der Toten“ und „Die Ewigkeit in einem Glas“, hatte die Geisterwelt einen zentralen Platz in der Handlung. Was mir sehr gefallen hat. Dies ist in diesem Buch hier weniger der Fall. Was aber nicht schlecht ist. Gut, man könnte auf eine Geschichte mit Geistern hoffen. Das habe ich aber nicht getan. Eher faszinieren mich die Charaktere von Jess Kidd. Und diese hätte ich auch bei einem Nichtvorhandensein stark vermisst. Denn die Schrulligkeit der Charaktere ist schon etwas wunderbares bei Jess Kidd.

Die Handlung ist in den 50er Jahren in England, genauer in Kent verortet. Doch das etwas Muffige und Altbackene der 50er Jahre fehlt hier. Dies liegt unbedingt an den Charakteren. Und hier besonders an den Frauen. Denn diese Unterwürfigkeit der Frauen der 50er, die einem immer wieder in Film und Buch begegnet, sie fehlt hier. Was ich sehr schön fand. Ich kann mir beileibe nicht vorstellen, dass jede Frau dieser Zeit so war. Eher vermute ich hier die Wunschvorstellungen einiger Herren der Schöpfung als Ursache. Aber gut. Anderes Thema.

Nora Breen verlässt ihren Konvent nach dreißig Jahren, geht nach Gore-on-sea in Kent, um eine ehemalige Mitschwester, eine Frieda Brogan, zu suchen. Nora stand nach Friedas Ausscheiden aus dem Konvent weiter mit ihr in brieflichem Kontakt, bis dieser einfach abreißt. Nun geht sie in die Pension Möwennest in Gore-on-sea, in der sich Frieda niederließ und forscht hier nach. Dabei stößt sie auf allerlei recht eigenwillige Personen. Und sie kommt auch mit der Polizei in Kontakt. Nora möchte, dass die Polizei nach Frieda sucht, vermittelt dies der Polizei etwas ungewöhnlich und nicht wirklich ladylike. Herrlich, diese Sache mit dem Schuh! Nora amüsiert mit ihrer Art den Detective Inspector Rideout. Dann erschreckt ein toter Mann die Menschen in der Pension Möwennest. Rideout ist der Meinung dies sei ein Suizid gewesen. Dies sieht Nora aber anders und sie forscht nach. Und Rideout merkt, Nora ist weder eine fügsame Nonne, noch eine fügsame Frau. Herrlich das Miteinander der beiden Charaktere. Herrlich und schön. Und ich kann wieder einmal nur sagen. Bitte lesen!

Und meine Hoffnung auf mehr von Nora Breen wurde soeben bestätigt. Freue mich.


Kommentar verfassen