Rezension zu „Alte Frauen“ von Verena Lueken

Alte Frauen. Alt. Was bedeutet dies in unserer Welt, dieses Alt? Und dann noch Alte Frauen. Frauen werden in unserer patriarchalen Welt immer noch nicht in gleicher Weise wie Männer betrachtet. Wir sollen schön sein, optisch ansprechen. Aber dürfen wir auch mehr sein? Dürfen wir Meinungen haben, dürfen wir mit Wissen glänzen, dürfen wir laut sein, dürfen wir autark sein? Dürfen wir alt werden und immer noch im Diskurs vertreten sein? Diese Fragen darf sich jeder selbst beantworten. Ich für mich habe da meine Antworten gefunden und sie fallen nicht positiv für uns Frauen aus. Aber was man zu guter Letzt nicht vergessen darf, diese Antworten fallen nicht gut für unsere Gesellschaft aus. Denn wenn man die Hälfte der Gesellschaft mehr oder weniger ignoriert, fehlt unserer Gesellschaft letztendlich etwas. 

Verena Lueken ermöglicht in ihrem Buch „Alte Frauen“ einen Blick auf alte Frauen. Auf erfolgreiche alte Frauen. Frauen, die nicht unbedingt jede/jeder kennt. Und hier sollte man sich fragen, warum dies so ist? Denn diese erfolgreichen alten Männer, sie tummeln sich überall. Warum? Wegen dieser männlichen Netzwerke, dieser männlichen patriarchalen Sicht, die uns übergestülpt wird/übergestülpt werden soll. Und ein weibliches Weiterdenken unerwünscht ist. Dem kann frau entsprechen. Oder sie schaut eben über diesen Tellerrand!

Verena Lueken schaut in ihrem Buch „Alte Frauen“ auf alte Frauen, auf erfolgreiche alte Frauen, Frauen wie Vivian Gornick, Jane Campbell, Carmen Herrera, Lucinda Childs oder Ulrike Edschmid. Manche Namen kennt man, manche nicht. Warum ist das wohl so?

Obwohl alt in den meisten Kulturen mit Wissen verbunden wird, verschwinden bei uns alte Frauen aus dem Leben. Haben wir weniger zu bieten als unsere männlichen Pendants? Oder sind wir diese Hexen, die manche Männer so verteufeln. Vor denen sie Angst haben. Denn diese Alte, die weiß. Diese Alte, die von ihrer Kraft weiß, von ihrem autarken Leben weiß, was macht sie mit unserer patriarchalen Welt? Sie stellt sie in Frage. Nun denn Mädels, fragt!!!

Eine westliche Welt, die mehr und mehr in äußerst reaktionäre Weiten driftet und damit uns Frauen unser Leben erschwert, erschweren will. Denn wir kennen anscheinend unseren Platz nicht mehr, laut dem Denken der patriarchal-restriktiven Kräfte weltweit. Dabei vergessen sie, dass das Patriarchat nicht unser Ursprung ist. Blicke in die ethnographischen Schriften unserer Welt könnten zu genau solchen Schlussfolgerungen führen. Oder Blicke auf die mächtigen alten Göttinnen der verschiedenen uralten Kulturen unserer Erde. Selbst männlich gelesene Kulturen haben noch diese mächtigen alten Göttinnen, wie die Coatlicue der alten Azteken, die Ixchel der Maya oder die Pachamama der Inka. 

Verena Lueken blickt auf alte Frauen und zeigt damit, dass ein Ausbrechen möglich ist. Eine wichtige, wie auch eine sehr interessante Information. Wie auch dieses Buch „Alte Frauen“ höchst interessant ist! Lesen!

⭐⭐⭐⭐


Hinterlasse einen Kommentar