Rezension zu „Grelles Licht für darke Leute“ von Mariana Enriquez

„Grelles Licht für darke Leute“ Was für ein Buchtitel! Brauchen darke Leute grelles Licht? Ja. Nein. Vielleicht. Wobei grelles Licht auch eine gewisse Aufmerksamkeit impliziert, eine Bühne. Und nun ja. Wer freut sich nicht über Aufmerksamkeit? Und darke Leute und eine fehlende Aufmerksamkeit. Nun ja. Da darf sich jeder so seine Gedanken machen.

Wobei der Gedanke der Aufmerksamkeit auch andere Gedanken impliziert. Denn dieses Buch hier, der Horror, der in ihm wohnt, ist nicht nur ein effektvoller und stimmungsgeladener Horror. In diesem Horror wohnt auch noch eine recht starke Gesellschaftskritik. Denn es geht hier um Argentinien. Und Argentinien verfügt ja durchaus über eine Geschichte, die einen ganz eigenen Horror in sich trägt. Wie fast jedes lateinamerikanische Land. Ja, die Sache mit der Macht. Koloniale Machtverhältnisse verschoben sich in einer monumentalen Veränderung. Der Duft der Freiheit war spürbar. Ein Gedanke, der sich Luft machen wollte. Doch die reaktionären Kreise mit ihren machtvollen Verbindungen wollten auch nicht loslassen. Und so entstanden Zeiten voller Blut, Tod und Grauen. Ein Horror! Ein Horror, der nicht der Unterhaltung diente. Sondern eher dieser Horror, den diese gierigen und machthungrigen Kreise für ihren eigenen Gewinn benutzten. Und dieser Horror ist nicht aus den Köpfen verschwunden. Wie viele Familien beklagen verschwundene Mitglieder? Wie viele Mütter suchen immer noch ihre Kinder?

Und genau dieser Horror wohnt in diesen Geschichten von Mariana Enriquez. Er ist nicht immer und offensichtlich greifbar. Aber er sitzt in ihnen. Man muss nur genau hinsehen und sich mit der Geschichte dieser Länder etwas auskennen. Ja, das braucht es auch um diese Erzählungen umfassend zu begreifen, wie ich hier finde. Aber auch ohne dieses Wissen beeindruckt diese Tiefe in den Geschichten ungemein. Ja, es sind Erzählungen. Und mit Erzählungen habe ich so meine Befindlichkeiten. Denn ich mag eher einen Roman. Eine Geschichte, die sich in ihrer Wucht entfalten kann. Charaktere, die man begleitet, die man versteht und mit ihnen diese Geschichte durchlebt. Doch in den Erzählungen von Mariana Enriquez liegt eine Tiefe, eine Kraft, die ich sehr geliebt habe. Das Dunkle in ihnen begeistert mein dunkles Herz, ja, durchaus. Ein schillernder Horror, wunderbar verwoben, phantastisch und sehr facettenreich. Aber dieses vorhin geschilderte Mehr begeistert wieder mein literarisches Herz. Und diese Verbindung zur argentinischen Geschichte ist sozusagen der Zucker. Ja, „Grelles Licht für darke Leute“ hat mich immens begeistert. Und ich wünsche diesem Buch eine größere Reichweite. Jeder, der die Lateinamerikaner liebt, wie ich halt auch, sollte zu diesem Buch hier greifen. Jeder, der das Dunkle liebt, sollte zu diesem Buch greifen. Denn auch wenn es Erzählungen sind, die Tiefe und das Intensive eines Romans haben diese Erzählungen und mit diesem Buch kenne ich eine Autorin mehr, die ich liebe. Mariana Enriquez, eine argentinische Autorin, die ich liebe! Lest sie! Und liebt sie!

„Unser Teil der Nacht“ wartet noch auf seine Zeit. Die Dicke des Buches hat mich bisher von der Lektüre abgehalten, denn es gibt ja so viele Bücher, die mit ihrer Lesezeit locken. Ihr wisst schon. Aber nach der Lektüre von „Grelles Licht für darke Leute“ rutscht dieser Wälzer auf der ToDo-Liste nach vorn. 

Noch ein paar Worte zu diesem echt gelungen Cover! Wunderschön. Dunkel. Düster. Einprägend. Ein Hingucker. Für darke Leute. Aber auch für Andere. Coverliebe! ❤❤❤

⭐⭐⭐⭐⭐ 

Rezension: © Booquinia

Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © Fischer Verlag

Gegenwartsliteratur

2025 bei Fischer erschienen

Selbst gekauftes Buch!

978-3-7587-0028-6

272 Seiten


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