Rezension zu „Die Sterne ordnen“ von Raffaella Romagnolo
„Die Sterne ordnen“ ist ein intensiver und absolut gelungener Blick auf die Geschichte Italiens. Wieder handelt der Roman in der Zeit des Zweiten Weltkriegs im Norden von Italien, wie schon bei „Bella Ciao“, dem anderen von mir schon gelesenen Buch der italienischen Autorin Raffaella Romagnolo. Und wie schon bei „Bella Ciao“, Raffaella Romagnolo überzeugt mich auch mit ihrem Buch „Die Sterne ordnen“. Hier überzeugt sie mich sogar noch ein Stückchen mehr, so dass von mir die 5 Sterne gezogen werden.
Hauptpersonen der Geschichte sind die zehnjährige Francesca, eine Waise, die mit Menschen nicht spricht und nur Kontakt zu einer Katze aufbaut. Sie geht in die Grundschule in Borgo di Dentro, einer Kleinstadt im Piemont. Dort fällt sie ihrer Lehrerin auf, der jungen Virgilia, kurz Gilla genannt, einem Flüchtling aus Genua, die nach ihrer Aufnahme im Borgo di Dentro dem Ort etwas zurückgeben möchte und deswegen in der Schule als Aushilfslehrerin anfängt, denn in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist alles knapp und so ist Gilla die Lehrerin der Klasse 5D des Schuljahres 45/46. Und in ebenjener Klasse begegnet Gilla Francesca. Gilla spürt, dass sie Francesca helfen kann und sie weiß, dass sie ihr helfen möchte.
Die anderen beiden Handlungsstränge des Buches sind Rückblicke, die sich um das Leben von Gilla und ihrer Familie im Krieg drehen und um das Leben der jüdischen Familie Sacerdoti aus Casale Monferrato im Piemont. Gilla musste mit ihrer Familie aus Genua fliehen, landete in Borgo di Dentro als Flüchtling. Die Kriegsgeschehnisse machen etwas mit ihr und so entscheidet sie sich für ihr Land und gegen die Deutschen, hilft den Partisanen und trifft Michele. Die jüdische Familie Sacerdoti wird durch die Geschehnisse der Kriegszeit in einen sie verschlingenden Orkan getrieben. Sehr intensiv wird die Geschichte dieser jüdischen Familie von Raffaella Romagnolo erzählt. Was ich für sehr wichtig erachte! Gerade in diesen unsinnigen heutigen Zeiten! Das Leben tobt, wirbelt und wütet und für die Familie von Gilla und für die Sacerdotis verändert sich alles.
„Die Sterne ordnen“ ist ein kluges und immens wichtiges Buch. Denn auch wenn die Geschehnisse des Nationalsozialismus uns allen bekannt sind, sie scheinen von einigen verdrängt zu werden. Der Hass und das Grauen liegen nah beieinander, wie auch der Tod. Denn wenn der Mensch zum Wolf für seine eigene Art wird, erblüht die Hölle auf Erden. Dies sollte uns allen klar sein. Ich wünsche diesem Buch eine große Leserschaft, doch diese Wesen, die sich verdeutlichen sollten, was uns blüht, lesen anscheinend nicht, sind entweder völlig verblödet oder derartig verroht und auf Egoismus getrimmt, dass ihnen die Empathie ein Fremdwort ist, deren Bedeutung sie nicht kennen und nicht kennen wollen, weil sie von der Gier, dem Neid und dem Mammon beherrscht werden. Leider vergessen viele, dass funktionierende Gesellschaften sich durch ein Miteinander auszeichnen und nicht durch die Hetze!
Vielleicht braucht unsere westliche Welt einen Niedergang. Denn der wird kommen, wenn wir nicht aufwachen!
„Die Sterne ordnen“ von Raffaella Romagnolo ist ein wunderbares Buch mit wunderbaren Charakteren. Strahlenden weiblichen Charakteren. Und das liebe ich! Klarer Fall!
Dass das Buch noch ein Buch gegen das Vergessen ist, ist ein weiterer Pluspunkt!
⭐⭐⭐⭐⭐
Rezension: © Booquinia
Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © Diogenes
Historischer Roman
2024 bei Diogenes erschienen
Vielen Dank an NetGalley und an den Diogenes-Verlag für das Rezensionsexemplar!
978-3-257-07310-2
448 Seiten
