Rezension zu „Monstergott“ von Caroline Schmitt
Das Wirken von Freikirchen in einem Roman. Eine interessante Idee. Wie auch ein Thema, welches gut in unsere Zeit passt. Nun hat ja unsere patriarchale westliche Welt in den Kirchen ein gutes Fundament gefunden. Ein Fundament, welches dafür sorgt, dass es den Richtigen gut geht. Den in den Augen der Machtzentralen Richtigen. Und die Anderen. Nun wie ist das mit dem Hamsterrad? Dazu noch etwas Brot und Wein und natürlich die Spiele. Und das Märchen, das man es schaffen kann, wenn man nur ordentlich ranklotzt. Und schon läuft der Laden. Da der Mensch ja nun schon immer dafür bekannt ist sein Leben verbessern zu wollen, gibt es natürlich findige Geister, meist männlicher Natur, die das Thema Kirche noch etwas auf die Spitze treiben möchten. Wo wir bei den Freikirchen landen. Wer sich für das Thema Freikirche interessiert, wird dazu etwas in den bekannten Medien finden. Nicht viel. Aber so ein paar Infos dazu gibt es schon. Wie das halt bei gewissen Strukturen so ist, man lässt sich ungern in die Karten schauen. Es könnte ja so eh bissel was rauskommen. Klarer Fall. Um so besser, wenn es Menschen gibt, die da etwas Licht auf die dunkle Bühne bringen wollen, sei es als Doku, oder wie hier in Romanform. Nun darf man nicht erwarten, dass das Licht auf der Bühne in diesem Roman sonnenhell ist.
Dieses Buch hier beleuchtet eine Familie, die einer Freikirche angehört. Eine Familie mit Kindern. Kinder, die erwachsen werden und in ihrem Erwachen in dieser Freikirche und ihren Strukturen an Grenzen stoßen. Emotional und sehr intensiv ist dieses Buch geschrieben. Ich habe es geliebt! Sehr!
Wie man meinen Zeilen unschwer entnehmen kann, mein Bezug zu religiösen Umtrieben in kirchlichen Strukturen hält sich in engen Grenzen. Wobei ich nicht das Göttliche negiere. Dies nicht. Ich bin da eher im animistischen Bereich. Und ich weiß, dass in Europa die Scheiterhaufen brannten. Dies darf man nicht vergessen. Von den ganzen anderen Gräueln, die im Namen der Kirche, im Sinne der Gier stattfanden gar nicht zu reden. Und die Gier, sie regiert immer noch.
Von daher hat mich das Buch schon aus diesem Grund aufgeregt. Die Skizzierung der Kinder der Familie in den Fängen der Freikirche hat mich aber noch aus anderen Gründen sehr angesprochen. Ben und Esther sind diese Kinder. Ein junger Mann und eine junge Frau. Er kämpft mit sich und seinen Gefühlen, entspricht nicht dem Bild eines Adam in der Kirche und wird damit zum Underdog. Er wird manipuliert und benutzt, unter Druck gesetzt. Und ja, damit dürfte klar sein, Ben berührt mich. Esther besetzt als junge Frau das Weibliche Prinzip. Und Frauen und die Kirche. Nun ja!?!? Und natürlich eckt sie als Frau an und wird vom gefeierten Sternchen zum NoGo. Weil sie als Frau Wünsche und Ziele hat und natürlich ihren Bruder liebt und beschützen will. Und damit befeuert auch Esther mich. Charaktere, die mich beeindrucken. Kein lautes Buch, aber ein sehr berührendes Buch, welches ich hiermit sehr gern empfehle! Lesen!
⭐⭐⭐⭐⭐
Rezension: © Booquinia
Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © park x Ullstein
Gegenwartsliteratur
2025 bei park x Ullstein erschienen
Vielen Dank an den @park x Ullstein Verlag und an @Netgalley für das Rezensionsexemplar!
9783988160546
272 Seiten
