Rezension zu „Palo Santo“ von Sascha Ehlert
Ein Paar in Berlin. Ein Paar in einer Blase. Doch auch in dieser Blase bemerken die beiden die düsteren Umtriebe, die unser Land erfassen. Sie bemerken den Bezug zu unrühmlichen Zeiten. Und sie bemerken ihre Gefühlswelt dazu. Was tun? Bleiben, aushalten, kämpfen? Bleiben, bis es vielleicht zu spät ist fürs Gehen. Sie wählen die Flucht. Ins schöne Los Angeles, die Stadt der Engel, die ihre Engel schmerzlich vermisst. In Bezug wird das Tun und Denken der beiden Protagonisten gesetzt mit dem Leben und Agieren des legendären Billy Wilder, der damals zur Flucht gezwungen wurde. Flüchten, um zu leben!?!? Doch was für ein Leben erwartet einen, wenn man der Heimat entrissen wurde?!?! Gedanken, die nicht unbekannt sind. Gedanken, die Angst machen. Aber Gedanken, die in der heutigen Zeit einen düsteren Sinn besitzen. Eine Zeit, die Angst macht. Mir und vielen anderen!
Obwohl das bisher Beschriebene nicht unbedingt etwas ist, was man lange in seinem Kopf behalten möchte. Dieses Buch beleuchtet diese Gedanken. Aber es beleuchtet noch mehr. Trotz dieser nun bestehenden Situation, die ja doch recht dunkel daherkommt, besitzt dieses Buch auch einen recht großen und schillernden Strahl Hoffnung.
Es beleuchtet dieses Fluchtdomizil. Dieses Los Angeles. Diese Stadt der Engel. Und dieses Beleuchten gelingt Sascha Ehlert meisterhaft. Sei es wegen den zwei Erzählebenen, die ja nun einerseits im Jetzt angesiedelt ist und Golo und Hedi begleitet und andererseits wieder auf Wilders Tun in der Vergangenheit blickt. Sei es wegen der doch recht wilden Erzählung des Lebens der beiden Protas im Jetzt. Es entsteht eine rausch- und traumhafte, albtraumhafte und etwas surreale Welt, eine Welt, die mitreißt. Aber genauso auch ein Blick in das Düstere der Neuen Welt. Vor dem Grauen im Hier und Jetzt in Trumpis Gefilde zu flüchten. Nun ja. Ein gewagtes Unterfangen. Wobei der Dagobert des Weißen Hauses hier im Buch keine Rolle spielt, dies eher meine Gedanken sind. Im Buch kommt zur Sprache, dass man zwar entfliehen möchte, aber woanders auch nicht das Paradies zu finden ist, auch nicht im legendären Los Angeles. Und diese Sicht fand ich sehr treffend. Denn das macht auch irgendwie Mut. Mut, sich dem zu stellen was gerade ist. Und dies fand ich gelungen, absolut ins Jetzt treffend und auch absolut passend. Denn, ja, die Angst vor dem Kommenden ist da, bei mir und bei vielen Anderen. Doch was soll das Alles? Ist ja schließlich auch unser Land, unsere Heimat. Und wenn kein Schlaraffenland wartet!?!? Was uns ja auch allen bewusst ist, denn die, die übers Gehen nachdenken, gehören ja nicht in die Fraktion der Unterbelichteten. Ein harter Begriff. Ja! Aber etwas Besseres fällt mir für diese Gruppe der Dauerempörten nicht ein. Leben in der bestmöglichen Welt, als Privilegierte und sehen dies nicht, weil sie im Hass, im Neid und in der Gier gefangen sind! Wie ich diese Menschen verachte!!!
Ein Buch, das perfekt ins Jetzt passt. Und ein Buch, welches auch eine gewisse Art von Hoffnung bietet. Und die Hoffnung ist gerade jetzt so essenziell. Findet man sie doch gerade jetzt nur in privaten Fluchten, im privaten Umfeld. Von daher ist dieses Buch mit einer Hoffnung und mit einer doch recht wilden Geschichte ein interessanter Tipp, wie ich finde! Lesen!
⭐⭐⭐⭐⭐
Rezension: © Booquinia
Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © claassen Verlag
Gegenwartsliteratur
2025 bei claassen erschienen
Mein Dank geht an NetGalleyDeutschland und an den claassen-Verlag für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!
9783546101110
240 Seiten
