Rezension zu „Im Herzen des Sahel“ von Djaïli Amadou Amal

Ich verreise ja sehr gern über meine Lektüre in ferne Welten und dieses Buch hier, „Im Herzen des Sahel“ von Djaïli Amadou Amal, eine Autorin aus dem Kamerun, ermöglicht dies. Ich glaube ja nicht, dass es mich in meinem Leben noch in den Kamerun bringen wird. Dennoch ist das Gebiet des Sahel, besonders im ethnographischen Sinne der Sudan, was Ländereien in Nigeria, Kamerun, Tschad, ZAR, Kongo, Sudan, Südsudan und Uganda zusammenfasst, für mich schon sehr früh von großem Interesse. Gerade hier gibt es vom ethnographischen Betrachten her sehr interessante Völkerschaften, die miteinander im Kontakt traten, sich beeinflussten, im positiven und negativen Sinne. Von daher freut es mich natürlich sehr in Romanform in dieses Gebiet reisen zu können. Und diese Reise wurde mir von Djaïli Amadou Amal noch sehr versüsst. Denn „Im Herzen des Sahel“ spricht mich nicht nur von meinem Interesse für dieses Gebiet sehr an. Der Roman beinhaltet sehr intensive und informative Blicke auf den Norden des Kamerun, schaut auf intertribale Konflikte, auf die Spannungen der Menschen untereinander, auf wirtschaftliche Bedingungen, die sich durch klimatische Veränderungen verschlechtern, die den trockenen Gebiete der Erde ja noch viel stärker zusetzen, erläutert das Erstarken der Boko Haram, das ja auch durch das vorher Gesagte beeinflusst wird, beleuchtet die Stellung der Frau in den sudanischen Gebieten. Wie schon gesagt, ein höchst informatives Buch! Aber nicht nur Informationen bietet das Buch. Auch das Leben tobt natürlich, denn diese selbstbestimmte Liebe, die wir kennen, gibt es dort weniger bis gar nicht. Die Paare werden durch die Eltern, durch Verhandlungen zwischen den Elternpaaren zusammengebracht, in denen Stellung, Volkszugehörigkeit und Monetäres die Grundpfeiler sind. Gesellschaftliche Zwänge also. Doch in manchen Menschen existiert die Veranlagung, gegen diese Zwänge aufbegehren zu wollen. So auch hier in diesem Buch.

Faydé ist die Hauptprotagonistin des Buches, geboren in einem der kleinen Dörfer in den Mandara Bergen westlich von Maroua, der Provinzhauptstadt der Far North Provinz in Kamerun, wobei die kleinen Dörfer die Sitze der meist kleinen Stämme des Nordens sind und Maroua fest in der Hand der Fulbe ist, einem mächtigen Händlervolk des gesamten Sahel, vom Senegal bis in den Sudan zu finden, was ja nun wirklich ein sehr großes Gebiet ist. Faydé wird von ihrer Mutter in die Schule geschickt, diese möchte für ihre Tochter ein besseres Leben, da auch sie als Frau weiß, dass nur Bildung hilft, der Not/der Gewalt zu entkommen. Doch das Leben spielt anders und Faydé geht zum Arbeiten nach Maroua, möchte die Mutter und ihre Geschwister unterstützen, lernt in Maroua kennen, wie die Fulbe auf die kleinen Völker blicken, was auch der Mutter nicht unbekannt ist. Doch Maroua öffnet Faydé nicht nur die Augen, es öffnet ihr auch das Herz, denn bei der Familie, bei der sie arbeitet, gibt es einen Lehrer. Einen Fulbe. Eine Liebe, die nicht sein darf! Ein uraltes Thema. Ich weiß. Für mich aber in diesem Buch wunderschön umgesetzt. 

Ein hoch informatives Buch und ebenso ein Blick auf die Liebe! Absolut gelungen. Lest es und schaut, ob ihr ebenso für Faydé brennt. 


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