Rezension zu „Ein Mann namens Loprete“ von Mariana Travacio
Ein Blick auf die Rache. Von der argentinischen Autorin Mariana Travacio, eine Autorin und eine Psychologin, eine Psychologin, die Forensische Psychologie an der Universität in Buenos Aires lehrte. Also jemand, der sich mit der Rache auskennt, sich mit den Protagonisten der Rache beschäftigt hat. Und genau dies merkt man dem Buch „Ein Mann namens Loprete“ an.
Ein interessantes Buch. Sehr spannend, ein Abenteuer, dunkel, böse. Man wähnt sich in einem Streifen von Tarantino oder in einem blutigen Western. Klingt nach einem Männerdingens. Und oh, man wundert sich, denn dieses Männerdingens hat mir gefallen. Also kann es ja nicht nur ein Männerdingens sein. Ist es auch nicht. Mariana Travacio blickt hier auf die Gewalt, auf die Rache. Was ja nicht unbedingt nur eine Sache der Männer ist. Meist. Aber nicht nur. Man beachte weibliche Mörder, die es ja durchaus gibt und die ja durchaus aus dem Motiv der Rache handeln. Auch wird hier die Gewalt nicht verherrlicht. Eher wird sie in Frage gestellt. Denn was erreicht man mit der Rache? Eine Befriedigung uralter und roher Gelüste? Eine erneute Traumatisierung? Irgendeine Verbesserung des eigenen Zustands oder des Zustands nahestehender Menschen? Ein Negieren bisheriger Realitäten? Was bringt diese so oft beschworene Rache? Und warum geistert sie in uns, immer und immer wieder? Gibt es sie, weil wir Menschen eine rohe und verkommene Spezies sind, die sich die Erde als eine Art Heuschreckenplage untertan gemacht hat. Eine Art, die völlig egoistisch und dumm durch ihr Leben wabert. Denn welche Tierart vernichtet den Ast, auf dem sie sitzt? Ist die Rache und/oder das Rohe uns allen eigen? Oder zeigen diese dunklen Eigenschaften nur wenige von uns? Doch was passiert mit uns allen, wenn geliebten Menschen von anderen Menschen ein Martyrium oder den Tod erfahren? Zu was sind wir dann bereit? Und warum? Eine unbequeme Frage. Ich weiß! Ist man selbst vor Rachegedanken gefeit? Wieder eine unbequeme Frage. Aber wenn wir diese Frage ehrlich beantworten, was kommt dann heraus?
Fragen und Gedanken zum Thema Rache. Nachdenklich stimmend!
Im Buch kommt ein Mann namens Loprete in ein Kaff in der Pampa von Argentinien. Er sucht eine Frau. Er wirkt in der Bar von El Tano auf seine Umgebung. Gin fließt, Worte werden gewechselt, Hemmungen fallen, der Tod zieht ein in der Bar. Die Leiche wird verscharrt. Und Mann hofft, dass sich die Sache nun erledigt hat. Doch wenig später tauchen die Brüder von Loprete auf, suchen ihn und schnell wird der Einwohnerschaft des Pampakaffs klar, die Sache ist nicht beendet. Es gibt einen weiteren Toten, El Tano und sein Neffe Manoel fliehen vor dem Clan der Lopretes, die Sache der Rache liegt nun aber auf der Seite von El Tano. Mann stellt einen eigenen Clan zusammen und begibt sich zu den Lopretes. Ein Hin und Her. Der Tod tanzt seinen Tanz. Und warum? Weil ein Loprete eine Frau gesucht hat, die nichts mit El Tano zu tun hatte. Also gibt es den Tod, obwohl El Tano nichts mit den Lopretes zu schaffen hatte. Wenn da nicht Manoel wäre, der herausfindet, dass seine Eltern wahrscheinlich von den Lopretes umgebracht wurden. Also gibt es doch Gründe für die Gewalt. Doch was ändert sich direkt durch die Gewalt, durch den Tod?
Um diese Fragen kreist dieses Buch. In einer kurzen und präzisen, dadurch aber nicht unpoetischen Sprache erschafft Mariana Travacio ein Buch, welches durch seine Handlung, aber auch die dadurch ausgelösten Fragen immens fesselt.
Ich habe „Ein Mann namens Loprete“ sehr gern gelesen und kann dieses Buch sehr empfehlen! Die Thematik und die Ausführung haben mich hier sehr begeistert. Schaut unbedingt, was dieses Buch mit euch macht.
⭐⭐⭐⭐⭐
Rezension: © Booquinia
Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © Pendragon
Gegenwartsliteratur
2025 bei Pendragon herausgebracht
Vielen Dank an den Pendragon-Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!
978-3-86532-910-3
120 Seiten
