Rezension zu „Die Frauen der Familie Flores“ von Angélica Lopes

Die Frauen der Familie Flores. Ein interessanter Blick nach Brasilien. Eine Familie und ihre Frauen. Also ein Blick nach Lateinamerika und ein Blick auf Frauen. Jeder, der meinen Account/ mein Leseverhalten kennt, wird wissen, das ist was für mich. Angélica Lopes, eine brasilianische Schriftstellerin aus Rio de Janeiro, blickt hier auf die Frauen der Familie Flores, in zwei Erzählsträngen, einer ist in der Vergangenheit angesiedelt und einer im Jetzt. Die Flores, eine Familie, die mit einem Fluch belegt wurde. Ein Fluch, der der Familie die Männer nimmt, diese früh sterben lässt und die Frauen zurücklässt. Die Frauen der Familie sicherten sich ihren Lebensunterhalt in der Vergangenheit durch die Kunst der Spitzenstickens. Also ein Fluch und das Drama, verbunden mit einer Art selbstbestimmten Lebens der Frauen. Eine interessante Mixtur. Greift diese Selbstbestimmung der Frauen doch im Erzählstrang in der Vergangenheit, genauer im Jahr 1918. Eine Zeit, in der Frauen im westlichen Kulturkreis um ihre Selbstbestimmung kämpfen. Wobei in Lateinamerika die Uhren anders tickten, der Machismo, das Patriarchat fester im Satteln sitzt und eine Veränderung des weiblichen Lebens deutlich erschwert. Nicht so in diesem Buch, von einer Frau geschrieben, die natürlich anders auf die Zeit blickt. Wobei man hier sicher auch in den Örtlichkeiten differenzieren muss. Die Flores im Zeitstrang um 1918 leben in der brasilianischen Provinz, wo der Zugang in die Welt sicher ein anderer ist als in den Metropolen dieser Zeit. Der Kautschukboom einige Jahre zuvor wird die Moderne nach Manaos gespült haben, man denke hier an den Ruf der Oper von Manaos. Und so wird in diesen Metropolen ein anderes Denken herrschen und es wird dort garantiert mutige Frauen gegeben haben, die gegen alte Regeln kämpften und sich Rechte erzwangen. Und so kämpfen die Frauen der Flores eben mit anderen Mitteln. Im zweiten Zeitstrang, der im Jahre 2010 spielt, bekommt eine Flores einen Gruß aus der Vergangenheit, dem sie erst keine Aufmerksamkeit geben möchte, sich dann aber doch anders besinnt und damit eine Verbindung ins Damals ermöglicht. 

„Die Frauen der Familie Flores“ ist ein interessantes Buch, welches ich sehr gern gelesen habe. Sprachlich ein Genuss, denn diese Lateinamerikaner, mein Herz schlägt für sie. Und dass es noch um Frauen und ihre Kämpfe geht. Klar, dass mir dies sehr gefällt. Der Zeitstrang um 1918 ist richtig gut gelungen, spannend, intensiv, ein perfekter Blick zurück. Der Zeitstrang im Heute wäre meiner Meinung nach noch etwas ausbaufähig gewesen. Dies schmälert das Buch aber nur im Sinne der Seitenzahl, es fehlt absolut nichts in dem Buch. Für mich ein 5 Sterne Buch! Lesen!

⭐⭐⭐⭐⭐

Rezension: © Booquinia

Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © hanserblau

Gegenwartsliteratur, Historischer Roman

2025 bei hanserblau erschienen

978-3-446-28445-6

304 Seiten


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