Rezension zu „Issa“ von Mirrianne Mahn

Issa sitzt schwanger im Flugzeug. Sie fliegt von Frankfurt nach Douala, weiter geht es dann nach Buea im Kamerun, zu ihrer Familie. Ihre Mutter will das so, denn sie macht sich Sorgen, um ihre Tochter, um das ungeborene Kind. Denn diese deutsche Welt in Frankfurt hat ihre Tücken, in den Augen der Mutter, aber eigentlich auch in den Augen von Issa, sie kann es nur für sich nicht so formulieren. Und so kommt Issa bei ihrer Familie im Kamerun an. Aber auch die Welt in Kamerun ist Issa fremd. Issa ist bei ihren Omas des Buea-Volkes(Wovea) in Buea, ein Bantu-Volk und eines von 250 bis 280 Völkern im Kamerun. Ebenso gibt es in diesem Land die dementsprechenden unterschiedlichen Kulturen. Etwas, was für unsere westliche Welt recht unbegreifbar erscheint. Issa soll laut der Mutter den Weg der Rituale gehen, mit der Geisterwelt in Kontakt treten, ihre Welt damit ordnen und für sich und ihr Kind Sicherheiten schaffen. In ihrer Kindheit hat Issa schon in Buea gelebt und so kommen natürlich auch einige Erinnerungen hoch. Dennoch ist vieles Neuland. Ebenso wie die Familiengeschichte Neuland für sie ist, in die sie in Buea tief eintaucht. Doch eben über diese Familiengeschichte und auch über den Kontakt mit der Geisterwelt, dem animistischen Glauben der Buea, der dennoch noch vorhanden ist, trotz der christlichen Überlagerung durch die Kolonisierung, findet sich Issa neu. Kamerun war mal eine deutsche Kolonie und Deutschland bildete schnell um den Wouri Fluss seine Zentren, der nicht so weit von Buea entfernt ins Meer mündet. Die Küstenbantu, zu denen die Buea nicht direkt, aber entfernter gehören, versuchten für sich das Beste aus dieser Situation zu machen. Dann kam der Weltkrieg, Deutschland verlor und alles ordnete sich neu. Issas Familie befand sich mittendrin in den Wirren und versuchte zu überleben. Issa schaut auf diese Familiengeschichte, insbesondere auf die Geschichte von vier Frauen ihrer Familie und entdeckt sich darüber neu. Denn die Traumata und auch die Stärke der weiblichen Mitglieder ihrer Familie verändern Issa. 

Ein interessantes Buch, welches seinen Zauber und seine Stärke nach und nach entfaltet, gerade die Geschichten aus der Vergangenheit sind sehr intensiv gezeichnet. Issa selbst finde ich anfänglich etwas blass, aber auch sie wird nach und nach intensiver. Vielleicht oder eigentlich sicher durch ihre eigene Findung, eine gewisse Emanzipation. Dennoch, manchmal hatte ich das Gefühl, dass dies alles etwas zu aufgesetzt, zu sehr gewollt war, deswegen meine 4 Sterne Bewertung, denn eigentlich müsste dieses Buch mich thematisch völlig vereinnahmen. Eine starke Frau, starke Frauenrollen in der gesamten Familie, feministisches Denken in einer patriarchalen Welt, eine Schwesternschaft, eine Kolonialgeschichte, ethnographische Blicke, eine Familiengeschichte, eine Familie mit generationenübergreifender Verbundenheit, eine Kritik an der westlichen Welt. Alles genau meins. Aber durch dieses etwas Aufgesetzte in der Schreibe für mich leider nur 4 Sterne wert. Ein gutes und interessantes Buch. Keine Frage. Ich sage unbedingt lesen und schaut was Mirrianne Mahn und Issa mit euch machen.

 ⭐⭐⭐⭐


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