Rezension zu „Spiel das Spiel“ von Fatima Daas

Spiel das Spiel. Welches Spiel?! Das Spiel unseres Lebens, das Spiel unseres Miteinanders. In dem uns von früh an vorgegaukelt wird, dass es eben jeder schaffen kann. Man braucht nur Fleiß und Mühe. Genau. Denn mehr ist es nicht. Oder ist es eben doch mehr? Unser Miteinander ist bestückt mit Vorurteilen, mit Dünkeln. Und wenn man an Menschen gerät, die mit diesen Vorurteilen und Dünkeln behaftet sind und an Schaltzentralen sitzen, was passiert dann? Wenn man mit Namen besetzt ist, die denen nicht passen, das eigene Aussehen denen nicht zusagt, das eigene Geschlecht in ihnen Assoziationen aufwirft, die nichts Gutes bringen, wenn die sexuellen Orientierungen erspürbar sind und das Gegenüber abstoßen. Was passiert dann? Welches Spiel spielt man dann? Das Spiel, welches alle spielen? Oder ein besonderes Spiel. Ein schönes Spiel. Mitnichten. Manchmal frage ich mich, ob das wirklich jedem bewusst ist, denn der eigene Tellerrand kann manchmal haushoch sein. Und darüber schauen. Nun ja. Es gibt Menschen, die genau dies wollen und dann gibt es die Anderen. Diejenigen, für die jede Veränderung eine Gefahr bedeutet und diejenigen, die alles ablehnen, was dem eigenen Kosmos entgegenläuft. Soweit man bei diesen Menschen von einem Kosmos sprechen kann. Also ist es nicht ganz so einfach und Spiel das Spiel nicht unbedingt der richtige Slogan. Nicht für jeden von uns. Das sollte uns klar sein. 

Kayden ist die Protagonistin in diesem Buch, entstammt der Banlieue, kennt eng gestrickte Welten und den Rassismus, betrachtet das und kann ihre Betrachtungen in Worte fassen. Ihre Französischlehrerin liest die Sichten von Kayden, erkennt ihr Potenzial und bringt Kayden dazu ihren Blick auf die Eliteuni Sciences Po zu richten. Doch Madame Fontaine erweckt in Kayden noch mehr. Coming of age und natürlich die Liebe und ein ungeschminkter Blick auf unser System, auf menschliche Beweggründe sind die Grundpfeiler dieses Buchs. Mit Coming of age habe ich manchmal so meine Befindlichkeiten, hier jedoch nicht. Also könnte man meinen, dass Fatima Daas mich mit ihrem Buch völlig vereinnahmt, denn thematisch ist diese Gemengelage natürlich völlig mein Ding. Aber vereinnahmt habe ich mich nicht gefühlt. Ich habe eine gute Geschichte gelesen, aber gebrannt habe ich nicht. Warum? Nun ja, mir erschien dies alles etwas zu distanziert erzählt. Kayden erreicht mich nicht völlig, obwohl sie das doch sollte, wie ich meine. Deswegen meine 4 Sterne Bewertung.

Dennoch, „Spiel das Spiel“ ist ein gelungener Blick auf die Banlieues in Frankreich, auf ein Leben abseits der Oberklasse, abseits der Mittelklasse, auf das Leben der Menschen in den sozial unteren Rängen unserer Gesellschaften. Ein exemplarischer Blick, der direkt auch in andere Örtlichkeiten transportiert werden kann. Wenn man das denn möchte. Doch für diejenigen, die dort aufwachsen ist dies noch etwas anderes. Sie sind die Suchenden, diejenigen, die unsere Gesellschaften irgendwann tragen sollten. Und mal ehrlich. In Zeiten sinkender Geburtsraten gibt es immer weniger von diesen Suchenden. Auf sie herabzublicken, weil sie eben Orten entstammen, denen eine gewisse Anrüchigkeit anhaftet. Ist dies wirklich sinnvoll? 

⭐⭐⭐⭐ 

Rezension: © Booquinia

Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © claassen Verlag

Gegenwartsliteratur

2026 bei claassen erschienen

Mein Dank geht an NetGalleyDeutschland und an den claassen-Verlag für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

9783546101608

192 Seiten


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