Rezension zu „Sommerrauschen“ von Christiane Adlung
Das Vergangene. Es beschäftigt uns. Und es reicht seinen Arm ins Jetzt. Wer mit diesen Gedanken vertraut ist, wird in dem Buch „Sommerrauschen“ von Christiane Adlung einen guten Trigger finden.
Die Handlung des Buches ist im französischen Médoc verortet. Urlaubsfeeling pur. Das Land erstreckt sich zwischen dem Atlantik und der Gironde, ist von der Küste, Kiefernwäldern und Seen geprägt. Eben, das riecht nach Entspannung.
Eben jene sucht Judith, die mit ihrem Mann Robert, ihren beiden Töchtern und ihrer Mutter ein Haus auf Stelzen in Küstennähe für ihren wohlverdienten Urlaub bezieht. Dieses Haus ist kein Feriendomizil, welches sie buchen muss. Es gehört ihr, ist seit Jahren im Familienbesitz. In diesem Haus verbrachte sie auch früher in den 80ern ihre Ferien, damals mit ihrer Schwester Lola und ihrer Freundin Natascha, die das Nachbarhaus bewohnte. Jetzt, fast 40 Jahre später, fährt Judith wieder hin. Das Nachbarhaus steht zum Verkauf und Robert ist an diesem Haus interessiert. Judith weniger, denn dieses Nachbarhaus weckt Erinnerungen. Erinnerungen, die verdrängt wurden, die Judith lange Zeit von ihrem Haus im Médoc fernhielten. Doch jetzt scheint die Zeit gekommen zu sein. Das Nachbarhaus soll gekauft werden und die Geister damit vertrieben werden. Doch es kommt anders, denn Natascha taucht mit einem Mann in dem Nachbarhaus auf. Und damit klopft auch die Vergangenheit an, der sich Judith jetzt stellen muss.
Das klingt nicht unbedingt nach einer spannenden Lektüre, könnte genauso in einer etwas trivialen Schreibe enden. Doch eben genau dies geschieht nicht. Christiane Adlung weiß die Spannung in ihrer Geschichte zu halten und es passieren immer wieder Dinge, mit denen man als Leser nicht rechnet, die mich als Leserin sehr begeistert haben. Eigentlich dachte ich hier ein 5 Sterne Buch zu lesen. Nur das Ende ließ für mich dann den fünften Stern verschwinden. Ich kann hier nicht meinen Grund aufschreiben, denn dies würde zu viel verraten. Aber ich kann sagen, dass ich etwas unzufrieden über die letzten Seiten war und damit für mich der fünfte Stern verschwand. Was schade ist, denn dieses Buch verbindet vieles und lässt einen das reale Leben völlig vergessen. Erinnerungen an die Jugend, an die pure Lebenslust. Sehnsüchte, Liebe, Freuen auf das Kommende. Ein köstliches Nichtwissen, eine Unbedarftheit in der Jugend. Kennen wohl viele von uns. Im Damals und im Jetzt: Urlaubsfeeling, Sonne, Strand, Dünen, Meer, eine salzige Meeresbrise. Ein schnuckeliges Haus auf Stelzen. Frankreich. Herrlich! Aber als dunkle Beimischung, schwärende Erinnerungen, Gedanken um die Schuld. Und das Ganze gut miteinander vermischt. Und immer wieder neue Informationen, die den Roman fast unwiderstehlich spannend machten. Ein 5 Sterne Buch. Wenn da nicht dieses Ende wäre. Aber dies ist ja nur meine Empfindung. Für andere Leser war das Buch ja durchaus ein 5 Sterne Buch, also lest selbst wie ihr dieses Buch empfindet. Denn auch ein fast 5 Sterne Buch kann man ja durchaus empfehlen, oder?
⭐⭐⭐⭐
Rezension: © Booquinia
Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © DuMont
Gegenwartsliteratur
2026 bei DuMont erschienen
Mein Dank geht an NetGalleyDeutschland und an den DuMont-Verlag für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!
978-3-7558-0039-2
272 Seiten
