Rezension zu „Zwei Leben“ von Ewald Arenz

Die letzte Lektüre von Ewald Arenz hatte mich nicht überzeugen können, „Die Liebe an miesen Tagen“ war eben jene Lektüre, die mich doch etwas enttäuschte. Nun gehe ich nach solch einem Buch etwas skeptischer ans nächste Buch des betreffenden Autors heran. Also wenn mich dieser Autor schon einmal mit einem Buch geflasht hat, was Ewald Arenz ja mit „Alte Sorten“ definitiv gelang. Wenn mich ein Autor/eine Autorin mit dem ersten von ihm/von ihr gelesenen Buch enttäuscht, wird es schwieriger. Hier überzeugt mich nur noch ein Lob von Bloggern/von Lesern, deren Sichten ich liebe oder ein wirklich herausragendes Thema. 

Nun gab es aber von Ewald Arenz ja dieses „Alte Sorten“. Und ja, dieses Buch liebe ich sehr. Ich empfehle es und ich verschenke es. Und warum soll es nicht ein weiteres Buch à la „Alte Sorten“ geben?

„Zwei Leben“ handelt in den anfänglichen 70er Jahren in einem süddeutschen Dorf. Zwei weibliche Charaktere stehen in diesem Buch zentral. Zwei stärkere weibliche Charaktere, die mit dem etwas verstaubten Leben im Dorf hadern. Dies klingt doch schon nach einem recht guten Grundgerüst. 

Und ja, in der Lektüre bestätigt sich mein anfänglicher Eindruck. Die 20-jährige Roberta kehrt nach einer Schneiderlehre in der Stadt in das heimatliche Dorf, an den elterlichen Hof zurück. Nach der Stadt fällt ihr die Enge des Dorfes noch etwas mehr auf, aber ihre Träume sind nicht ihr Leben, wie sie glaubt, die Arbeit am Hof muss gemacht werden und wer soll den Hof denn versorgen außer ihr? Aber nicht nur der Hof ist ein Grund für ihre Heimkehr ins Dorf. Der Pfarrerssohn Wilhelm irgendwie auch. Auch wenn dies etwas eigen klingt. Aber dieser Aspekt hat mich nicht gestört. Man merkt ja in der Lektüre, dass man in einer anderen Zeit ist. Wobei die Anfänge der 70er sicher in den Großstädten noch etwas anders, etwas wilder, etwas moderner waren. Hier in diesem Dorf ist alles noch sehr verstaubt. Man glaubt eigentlich gar nicht, dass man in den 70ern ist, das könnten in vielen Dingen auch die 50er sein. Von daher stört mich auch dieser etwas groschig klingende Bezug zu Wilhelm nicht. Die zweite Perspektive im Buch kommt von der Mutter von Wilhelm, von Gertrud, der Pfarrersfrau. Wegen der Liebe hat sie geheiratet, kommt aus der Stadt und kam nie wirklich im Dorf an. Hatte immer schon andere Wichtigkeiten als die anderen Frauen im Dorf. Stach schon als Pfarrersfrau heraus, mit ihren Vorlieben dann noch etwas mehr. Doch nicht nur das Dorfleben stört Gertrud, sie ist auch aus anderen Gründen unzufrieden mit ihrem Leben.

Über Roberta und Gertrud gestaltet Arenz modernere Blicke im Mief der dörflichen Welt, die zwar in den anfänglichen 70ern angesiedelt ist, sich aber in der Abgeschiedenheit rückwärtsgewandter entwickelt. Und diese Thematik lässt sich ja auch heutzutage beobachten. Die heutigen Unzufriedenheiten im ländlichen und kleinstädtischen Raum drehen sich ja auch irgendwie um rückwärtsgewandte Thematiken. Thematiken, die sich in den großen städtischen Zentren nicht in dem Maße finden lassen. Siehe Wahlverhalten. Ja, ein schwieriges Thema. Ich weiß! Dennoch muss dies immer wieder auf den Tisch! Was ich auch interessant finde, Arenz gestaltet die Moderne über die Wünsche und Sichten von Frauen. Ja, auch männliche Figuren tendieren in diese Richtung mit, aber die wichtigen Impulse setzen die weiblichen Charaktere. Nun mag dies sicher nicht in Allem in der Realität wiederzufinden sein. Aber auch hier gibt es Anknüpfungspunkte. Im sozialen Bereich sitzen wir Frauen. Der soziale Bereich, der unsere Gesellschaft zusammenhält, der die Gesellschaft zur Funktion bringt. Und eben aus diesem sozialen Bereich kommen immer wieder auch neue Sichten, neue Aspekte. Dies mögen die Reaktionären im Land, in allen Ländern immer wieder bekämpfen. Aber eines ist klar, Veränderung kann man nicht aufhalten.

Und so müssen Roberta und Gertrud ihren Weg finden. Und genau das tun sie!

Man könnte ja meinen, dass dieses Buch in das Seichte abgleiten könnte, wie dies bei „Die Liebe an miesen Tagen“ ja irgendwie der Fall ist. Aber hier in „Zwei Leben“ schafft es Ewald Arenz das Seichte zu meiden. 

Ich kann sagen, ich habe „Zwei Leben“ sehr gern gelesen und ich habe so ein Feuer in Richtung „Alte Sorten“ verspürt. Dieses Buch ist bei anderen von mir geschätzten Lesern/Bloggern anders angekommen. Bei mir kam es sehr gut an. Und ich werde auch zu weiteren Büchern des Autors greifen. Die „Katzentage“ warten ja schon auf ihre Zeit!


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