Rezension zu „Alle meine Mütter“ von Lena Gorelik

Alle meine Mütter. Jede Frau, die in unser Leben tritt, prägt uns irgendwie. Die Mutter und weitere mütterliche Figuren um so mehr. Männliche Wesen tun dies auch. Väter insbesondere. Aber sie tun dies anders. Meiner Meinung nach. Frauen haben auf uns Frauen eine andere Wirkung. Auch aus dem Aspekt eines ähnlichen Erlebens. Eines ähnlichen Lebens. Ähnlicher Sichten. Einer ähnlichen Stellung in unserer nun doch männlich orientierten Gesellschaft. Die Schwesternschaft mag da schon eine gewisse Rolle spielen. Eine gewisse Rolle. Nicht die ausschließliche Rolle. Ich weiß. Lena Gorelik schaut in ihrem Buch auf die Thematik der Mütter, der Mutterschaft. Aus der Sicht der Töchter. Aber ebenso dann folglich auf die eigene mögliche Stellung als Mutter. Sie zieht Vergleiche in ihrem Buch. Wie auch wir dies tun in unseren jeweiligen Leben. In unseren verschiedenen Altersstufen. Vergleiche, die nicht immer gut tun. Kommt auf die Intensität dieser Vergleiche an. Und auf die Stellung, die wir selbst in unseren Leben für uns einnehmen. Wie wichtig wir uns selbst für uns sind. Denn was macht eine Frau in unserer männlich orientierten Gesellschaft aus? Unsere jeweilige Bindungssituation? Unsere Mutterschaft? Unsere Herkunft und die damit verbundene Sozialisation? Was ist stärker? Die Faktoren, die Wünsche, die Vorstellungen, die auf uns von außen einprasseln? Oder unsere eigene Vorstellung von einem gelungenen Leben. Denn dieses Egalsein, dieses sich Abgrenzen von den Wünschen von außen. Wann lernen wir das? Wann lernen wir das in unserer patriarchal orientierten Gesellschaft? In unserer Gesellschaft, die uns schon in unserer Kindheit mit den patriarchal verordneten Grundsätzen eines perfekten weiblichen Lebens bombardiert. Schon die Märchen, die wir unseren Kindern darbieten sind eigentlich eine Zumutung für weibliche Geschöpfe. Die Rollen, die uns schon als Kind, als Tochter dargeboten werden, sind ebenso etwas fragwürdig. Doch als junge Frau schon dagegen aufbegehren, ein schwieriges Unterfangen. Das lernt man dann nach und nach. Und wird dann zu dieser unbequemen Alten. Nach und nach. Also manche von uns. Manche. Nicht alle. 

Lena Gorelik schaut in ihrem Buch nicht völlig differenziert auf dieses Thema. Alle Aspekte kommen nicht in diesem Buch vor. Aber einige. Und so kommt man dennoch als Frau, als Tochter und vielleicht auch als Mutter, als Großmutter in dem Buch zum Sinnieren. Was ja von mir durchaus gewollt, gewünscht ist. Nun müssen nicht alle Aspekte weiblichen Lebens/Erlebens in diesem Buch vereint sein. Meiner Meinung nach! Dies kann kein Kritikpunkt sein. Was allerdings von mir ein Kritikpunkt ist, dieses Buch ist für meinen Gusto etwas zu zerrissen aufgebaut. Die Autorin springt etwas zu sehr in ihren Darbietungen. Da gibt es Einblicke in das sowjetische Leben als Frau, Einblicke in vergangene Zeiten. Obwohl ich bezweifele, dass vieles von diesen damaligen Sichten im russisch/ukrainisch/weißrussischen Gebiet vorbei ist. Wenn wir uns in Deutschland über unsere Stellung als Frau aufregen, ist das immer berechtigt, aber, das geht woanders sicher schlimmer. Darf man nicht vergessen als Deutsche. Bei allem Meckern. Da gibt es verschiedene Frauen, verschiedene Frauenrollen, verschiedene Mütterrollen. Aber auch biographische Sichten der Autorin. Alles miteinander verwoben und/oder auch etwas abgehackt aneinandergereiht. Die Vielfalt der Frauenrollen ist gut gewählt. Gerade das ermöglicht ja auch dieses darüber nachdenken können, dieses Sinnieren, dieses Abschweifen zu sich und ins eigene Umfeld. Aber das etwas abgehackt aneinander Gereihte fand ich als etwas zu viel. Aber nicht so viel, dass es an meiner Bewertung spürbar war. Denn 4 Sterne sind ja durchaus eine gute Bewertung für ein gutes Buch, welches eine Reflexion ermöglicht. Und dies ist in der Psychologie/Psychiatrie essentiell. Aber nicht nur da. Dies sollte in unserem Leben eine Wichtigkeit besitzen. Diese Reflexion eigenen Verhaltens. Manchmal lebenswichtig!


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