Rezension zu „Lügen im Paradies“ von Colombe Schneck

Eine Kindheitsidylle. Erinnerungen. Was sagen solche Erinnerungen aus? Was bleibt von diesen Erinnerungen, wenn man als Erwachsene diesen alten Erinnerungen nachspürt? Man schaut mit einem völlig anderen Hintergrund auf das Vergangene. Man weiß mehr. Colombe Schneck spürt diesem Vergangenen Jahrzehnte später nach und entdeckt diese Lügen im ehemaligen Paradies. „Lügen im Paradies“ ist ein biographischer, wie auch fiktionaler Roman. Einerseits spürt Colombe Schneck ihren Erinnerungen auf ihrer Reise in die Schweiz nach, die Erinnerungen und das Erleben, was sie in ihrer Kindheit in den Schweizer Bergen hatte. Andererseits schreibt sie einen Roman darüber. Dort in den Schweizer Bergen kümmerte sich ein Paar um viele verschiedene Kinder, deren Eltern sie in diese Art Ferien schickten. Liebevoll und streng kümmerte sich das Paar um die Kinder aus gutem Hause, aber auch aus Familien, die etwas zerrüttet waren. Wie auch die Familie von Colombe Schneck zerrüttet war, denn die jüdische Familie hatte im Krieg so manches erlebt, was die Eltern verändert hatte. Für Erwachsene verstehbar, für Kinder nicht immer ein völlig nachvollziehbares Verhalten. Das Erleben in den Schweizer Bergen tat ein Übriges dazu, denn auch das Tun des Schweizer Ehepaars ist nicht nur mit hehrem Gedankengut gefüllt. Schließlich waren die Kinder aus gutem Haus auch eine monetäre Einnahmequelle. Colombes Reise in die Schweiz und ihre Begegnungen mit Menschen, die dieses Damals ebenso erlebt hatten, gewähren der Autorin völlig neue Einblicke in dieses Damals. Hier ist besonders die Begegnung mit den Kindern des Schweizer Paars hilfreich, die auf das Tun der Eltern einen ganz besonderen Blick haben, denn ihre eigene Kindheit war nicht so sonnig. Die Kinder aus gutem Haus, die Einnahmequelle des Paars standen im Vordergrund. Die eigenen Kinder hatten einfach zu funktionieren. Und das machte etwas mit diesen Kindern. Im Damals und im Jetzt. Colombe erhält auf ihrer Reise Einblicke, die die Eindrücke von damals untermauern oder auch verändern. Einblicke, die die Lügen im Paradies offenlegen. Und so könnte man sich schon fragen, welche Erinnerungen, die man so in sich trägt, wirklich real sind oder einem falschen Eindruck entsprungen sind. Man könnte, man muss dies nicht. Denn manches sollte man vielleicht nicht unbedingt aufwühlen. Manche erlebte Lüge erscheint, wenn man dann die Wahrheit kennt, nicht mehr ganz so schlimm. Ist vielleicht auch immer die Frage, was so eine Rückschau bringen soll, oder vielmehr ein Eindringen in das Damals. Denn Colombes Reise in die Schweiz ist ja nicht nur eine Rückschau, sie begibt sich ja auch örtlich in die Vergangenheit. 

Auf jeden Fall ist das Buch „Lügen im Paradies“ ein sehr interessantes Buch, gerade auch aus dem Hintergrund der Autorin heraus. Denn solch ein Hintergrund lässt vielleicht das elterliche Tun in einem anderen Licht erscheinen. Auch aus der Sicht der Erwachsenen heraus, die dieses Tun ja völlig anders begreift. Das Tun des Schweizer Paar vielleicht nicht unbedingt, denn hier gab es ja ganz andere Gründe. Aber auch hier findet das Karma ja seinen Weg. Und dieser Gedanke erscheint ja durchaus hilfreich. Im Buch, wie auch in der gefühlten Realität. Für die Kinder des Schweizer Paars allerdings nicht!

Was ist dieses Damals? Was war da? Spüre ich dem hinterher? Und wenn ja warum? Denn dieses Nachspüren kostet auch etwas. Colombe entschließt sich zu diesem Nachspüren, wegen ihrer eigenen Familie. Und was findet sie? Das Leid von Anderen. Es ist die Frage, ob dieses Leid Colombe trifft. Ich hatte den Eindruck, dass dies passiert. Denn Colombe kannte die Kinder des Paars. Sie konnte damals nichts tun. Und jetzt, ja jetzt erscheint dies zu spät. 

Ja, alles, was man macht, kostet auch etwas. Aber deswegen kann man ja dem Leben nicht mit einer Starre begegnen und zum Schwamm werden. 

Und wer weiß, vielleicht hat diese Reise von Colombe ja auch etwas gekittet, das Verhältnis zu den eigenen Eltern etwa. Vielleicht!?!?


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