Rezension zu „Nacht über Soho“ von Kate Atkinson

„Nacht über Soho“ ist mein erstes Buch von Kate Atkinson und ich war begeistert. Ein Krimi. Aber nicht nur ein Krimi. Ein literarischer Krimi. Die Handlung bewegt sich in den goldenen 20ern in England. Eine interessante Zeit. Eine mich inspirierende Zeit. Raymond Chandler, Dashiell Hammett und Agatha Christie sind wohl jedem ein Begriff. Ich habe mit diesen Romanen, mit diesen Krimis viele Einblicke in die 20er bekommen, die Leseleidenschaften meiner Mutter und meiner Großtante haben mich angesteckt und diese drei Autoren zählten zu den Leidenschaften der beiden Frauen. Diese Bücher bekam man auch in der DDR, nicht alle Romane von den besagten Autoren, aber ein paar gab es schon. Nicht völlig normal im Laden, sondern eher über Beziehungen oder mit einer gewissen Wartezeit und einem Quäntchen Glück auch in der örtlichen Bücherei. Aber es gab sie und schon damals habe ich sie geliebt. Diese Liebe zu diesen Autoren, zu den 20ern ist geblieben und so werde ich natürlich hellhörig, wenn mir da etwas vors Auge hüpft. 

„Nacht über Soho“ berichtet über die 20er Jahre und hier sind wir in London, betrachten das Tun in dieser Zeit mit einem modernen Auge. Denn Kate Atkinson hat in ihrem Buch starke weibliche Charaktere, die recht energiegeladen in ihrer Welt agieren. Das ist etwas, was man in den genannten Büchern etwas vermisst. Hier in „Nacht über Soho“ etwas anders zelebriert wird. Was mir wieder sehr gefallen hat. 

Hauptfigur in dem Roman ist Nellie Coker. Diese Frau hat es geschafft sich in einem Familienunternehmen, mit ihren Kindern zusammen, einen festen Namen im Clubleben der Stadt zu sichern. Dieser Erfolg schafft Neider. Und dieser Erfolg macht auch die Polizei auf Nellie Coker aufmerksam, insbesondere Inspektor John Frobisher, der mit hehren Zielen ermittelt, was man nicht von jedem Polizisten sagen kann. Denn auch hier greift die Korruption. Unterstützt wird der Inspektor von einer Bibliothekarin, die für den Inspektor Undercover ermittelt, da dieser seinen Kollegen misstraut, den irgendein Vöglein im Polizeirevier zwitschert zu viel. Aber nicht nur für den Inspektor ermittelt die Bibliothekarin. Denn diese Bibliothekarin, Gwendolen Kelling, hat auch eigene Ziele. Eine Mordserie an jungen Frauen erschüttert London und Gwen sucht verschwundene Mädchen. Dies ist eine wirklich spannende Gemengelage in meinen Augen, interessante Charaktere wirken mit, die von der Autorin wirklich gut gezeichnet werden. Die Umgebung des bunten und schillernden Nachtlebens von London rundet das Ganze noch gut ab. Und eine etwas flirty umworbene Gwen macht das Ganze noch etwas würziger. Echt gelungen dieses Buch!

Und für mich ein Zeichen, dass ich mich intensiver mit dieser Autorin befassen muss, befassen sollte. Lesen! Unbedingt! Ein Lesetipp!


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