Rezension zu „Unser Sommer endet nie“ von Virginie Grimaldi
Unser Sommer endet nie. Nun, dass der Sommer nicht endet. So schön wie er ist, kein Ende. Ich weiß nicht. Diese Frage könnte im Frühling sicher anders bewertet werden. Aber jetzt. Mittendrin in der Hitze. Ich freue mich schon irgendwie auf die kältere Zeit. Auf offene Haare. Auf Strickjacken. Aufs nicht Schwitzen. Aufs nicht Glühen. Aber dies tut nichts zur Sache. Dies musste nur mal raus. 😊 Denn dieser Titel, dieses „Unser Sommer endet nie“ ist natürlich anders gemeint.
Zwei Schwestern. Ein Haus im französischen Baskenland. Ein Haus mit Erinnerungen. Das Haus der Großmutter. Emma und Agathe Delorme treffen sich für eine Woche in diesem Haus. Eine letzte Woche. Denn die Großmutter ist gestorben und das Haus soll den Besitzer wechseln. Dieses Haus mit den Erinnerungen. Erinnerungen an unbeschwerte Sommer. Unbeschwerte Zeiten, die Emma und Agathe nicht oft erlebten. Aber hier in diesem Haus schon. Nur dass dieses Haus sich jetzt aus ihrem Leben verabschiedet.
Familienleben. Es kann der Zucker sein. Es kann unbeschwert sein. Aber wie oft ist es das wirklich? Manchmal ist das Familienleben auch giftig, überwürzt, einfach zu viel. Denn wir Menschen sind fehlerbehaftet. Wir haben Erwartungen, Wünsche, wir kreisen manchmal zu viel um uns selbst und vergessen darüber das Umfeld. Und gerade dieses Aufdröseln menschlicher Beziehungen, es fasziniert mich einfach. Denn im Verstehen der Anderen, im Verstehen der Beweggründe des Umfeldes liegt auch eine Befreiung. Ein Lernen, ein Neudefinieren des Ichs. Zauberhaft und wunderbar. Dieses Sinnieren. Ich liebe es!
Und genau dies kann man bei „Unser Sommer endet nie“ perfekt. Emma und Agathe, die Großmutter und die Mutter sind starke Charaktere. Sie sind da, sie agieren, sie reagieren und wirken dabei völlig authentisch. Diese Familie ist einfach wunderbar ausgeleuchtet. Das Schöne und das Dunkle bekommen ihren Platz. Die Liebe und das Drama. Und man lernt in diesem Buch. Über das Leben. Über die Menschen. Über das Zusammensein und über das Entfernen. Denn Verletzungen passieren. Im Leben von Emma und Agathe. Und sie reagieren darauf. Sie verändern sich über den Verlauf der Jahre. Und kommen in diesem Haus, in dem Haus der Sommer ihrer Kindheit, wieder zusammen. Sehen sich, erst noch etwas verhalten und dann, nach und nach offener, unbeschwerter. Sie schauen zurück, klären das Vergangene, ordnen ihr Miteinander. Das alles hat mir wirklich sehr gefallen.
Nun könnte man bei diesen Worten denken, weswegen dann die 4 Sterne? Wo sind dann die 5 Sterne? Völlig richtig dieser Gedanke. Starke Frauenrollen. Eine Aufarbeitung der Vergangenheit. Genau mein Buch. Richtig.
Wenn da nicht das Ende wäre. Sorry, aber das war einfach zu viel für mich! Es gibt wirklich viel Dramatik in diesem Buch. Sehr viel Dramatik. Völlig passende Dramatik. Gut geschrieben und gut zusammengebracht. Aber das Ende. Noch eins drauf. Muss das wirklich sein?!?! Nein. Muss es nicht! Bis dahin war das Buch für mich ein 5 Sterne Buch. Wirklich! Klar kann das Leben manchmal auch so passieren. Und ich möchte beileibe kein gute Laune Ende, keine rosarote Lebensschau. Gibt ja Bücher die rosa gezeichnet ihre Charaktere durchs Leben schubsen. Könnte ich ja lesen, wenn ich das wöllte. Aber dieses Ende hier war für mich einfach zu viel. Das können andere Leser durchaus anders wahrnehmen. Dies hier ist ja nur mein Blick auf das Buch.
„Unser Sommer endet nie“. Eine Familiengeschichte voller Dramatik, sehr gut zu lesen, authentisch und gefühlvoll, habe ich geliebt, sehr. Bis auf die letzten Seiten! Die hätten wegfallen können und es wäre für mich ein 5 Sterne Buch gewesen.
⭐⭐⭐⭐
Rezension: © Booquinia
Unbezahlte Werbung, Coverbild des Buches: © Eisele
Gegenwartsliteratur
2026 bei Eisele erschienen
Vielen Dank an @NetGalleyDeutschland und an den Eisele-Verlag für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!
978-3-96161-282-6
352 Seiten
